Fristlose Kündigung: Wann ist sie möglich?

In den meisten Arbeitsverhältnissen dauert es, bis aus der Idee, zu kündigen, Realität wird. Auch vor einer Kündigung durch den Arbeitgeber gibt es meist Warnzeichen für den Beschäftigten, die diese auf die drohende Entlassung vorbereiten. Dass es nach dem Ausspruch der Kündigung eine Weile dauert, bis der letzte Arbeitstag gekommen ist, liegt schon allein an der Kündigungsfrist.

Fristlose Kündigung

Anders verhält es sich, wenn die Kündigung fristlos ist. Dieser Schritt ist besonders schwerwiegend und erfordert gute Gründe. Eine fristlose Kündigung kann nicht nur vom Arbeitgeber, sondern auch vom Arbeitnehmer ausgehen. Unter welchen Umständen ein kurzfristiges Ende des Beschäftigungsverhältnisses möglich ist, wird im folgenden Ratgebertext beschrieben.

Fristlose Kündigung: Unterschiede zur ordentlichen Kündigung

Es gibt unterschiedliche Gründe, die zu einer Kündigung führen können. Für den Arbeitgeber spielen drei grundlegende Kategorien eine entscheidende Rolle. Beschäftigte hingegen brauchen sich nicht erklären, wenn sie ihren Job an den Nagel hängen möchten.

Um den Arbeitnehmer vor möglichen negativen Folgen einer Entlassung zu schützen, gelten die Bestimmungen des Kündigungsschutzgesetzes. Dafür muss der Mitarbeiter im Normalfall jedoch mindestens ein halbes Jahr lang in seinem Betrieb tätig sein. Davor gilt lediglich eine verkürzte Frist von zwei Wochen.

Will der Arbeitgeber seinen Mitarbeiter entlassen, muss dies mit dessen Person, dessen Verhalten oder betrieblichen Gründen zusammenhängen. Andernfalls ist eine Kündigung nicht möglich. Außerdem muss die gesetzliche Kündigungsfrist eingehalten werden. Diese beträgt üblicherweise mindestens vier Wochen. Je nachdem, wie lange der Beschäftigte schon für seinen Arbeitgeber tätig ist, kann sich diese auch auf mehrere Monate ausdehnen. Auch Tarifverträge oder die individuellen Vereinbarungen im Arbeitsvertrag wirken sich aus. In vielen Fällen ist zudem eine vorherige Abmahnung erforderlich.

Schwerwiegende Pflichtverstöße können zu einer fristlosen Kündigung führen

Bei einer fristlosen Kündigung – auch außerordentliche Kündigung genannt – ist das anders. Das Arbeitsverhältnis endet mit sofortiger Wirkung. Dafür müssen jedoch gravierende Gründe vorliegen, die einen solchen Schritt rechtfertigen.

Eine Kündigung muss immer das letzte Mittel darstellen. Das heißt, dass alle milderen Schritte ausgeschöpft werden müssen. Ein solches milderes Mittel kann etwa eine Abmahnung oder auch ein formloseres Gespräch sein, in dem Arbeitgeber und Arbeitnehmer die Missstände besprechen.

Führen entsprechende Maßnahmen nicht zu einer Verbesserung der Lage, kann eine Kündigung in Betracht gezogen werden. Je nach individuellen Voraussetzungen kann das Arbeitsverhältnis fristlos beendet werden.

Unter diesen Umständen ist eine fristlose Kündigung möglich

Es gibt zahlreiche Gründe, die eine fristlose Kündigung rechtfertigen können – zumindest theoretisch. Je nach Begebenheiten können beide Seiten eine solche außerordentliche Kündigung aussprechen. Ob sie rechtlich Bestand hat, kommt jedoch auf die Details an. Für beide Seiten empfiehlt es sich, anwaltlichen Rat zu suchen. Andernfalls riskieren sie, in einem möglichen Rechtstreit das Nachsehen zu haben. Auch Sanktionen sind dann möglich. In welchen Fällen Arbeitnehmer und Arbeitgeber fristlos kündigen können, wird im Folgenden erklärt.

Für Arbeitnehmer

Die meisten Arbeitnehmer wissen, dass ihnen bei gravierendem Fehlverhalten oder besonderen betrieblichen Umständen eine fristlose Kündigung drohen kann. Nicht allen ist jedoch bewusst, dass es auch Situationen gibt, in denen sie selbst ihr Beschäftigungsverhältnis mit sofortiger Wirkung terminieren können.

Eine fristlose Kündigung könnte etwa gerechtfertigt sein, wenn der Beschäftigte am Arbeitsplatz gemobbt oder sexuell belästigt wird. Auch ein unangemessenes Verhalten des Chefs – etwa Aggressionen – können eine solche außerordentliche Kündigung zur Option machen.

Ist mit der Arbeitstätigkeit eine nicht hinnehmbare gesundheitliche Gefährdung verbunden, kann der Arbeitnehmer unter Umständen ebenfalls sofort kündigen. Auch, wenn der Arbeitgeber ihn explizit oder implizit zu einer Straftat auffordert, ist dieser Schritt denkbar.

Für Arbeitnehmer ist es oft besonders problematisch, wenn sie über einen längeren Zeitraum ihr Gehalt zu spät oder gar nicht erhalten. Damit eine fristlose Kündigung möglich ist, reicht es allerdings nicht, wenn der Chef den Lohn nur ausnahmsweise nicht oder verspätet zahlt. Es muss sich um ein langfristiges Problem handeln, bei dem keine Besserung in Sicht ist.

Weitere mögliche Gründe für eine außerordentliche, fristlose Kündigung können sein:

  • Vertrauensverlust zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber
  • Schwere Pflichtverletzung des Arbeitgebers
  • Wenn der Mitarbeiter dauerhaft arbeitsunfähig ist

Ob eine ausgesprochene fristlose Kündigung rechtlich wirksam ist, hängt immer vom Einzelfall ab. Sowohl für Arbeitgeber, als auch für Arbeitnehmer ist deshalb die Beratung durch einen Anwalt empfehlenswert. Andernfalls riskieren die Betroffenen, dass ihre Kündigung keinen Bestand hat. Auch der zeitliche Horizont spielt eine Rolle. Liegt der Grund für die Kündigung länger als zwei Wochen zurück, ist keine Kündigung mehr möglich.

Für Arbeitgeber

Auch der Arbeitgeber braucht triftige Gründe, um eine fristlose Kündigung aussprechen zu dürfen. So sieht es das Bürgerliche Gesetzbuch vor. In jedem Fall erfordert ein solcher Schritt ein gravierendes Fehlverhalten des Mitarbeiters.

Mögliche Gründe, die eine fristlose Entlassung rechtfertigen können, sind etwa Beleidigungen oder sexuelle Belästigung. Auch, wenn der Mitarbeiter seinen Arbeitgeber bestiehlt, kann das eine fristlose Kündigung bedingen. Mitarbeiter, die sich unerlaubt selbst beurlauben oder die eine Arbeitsunfähigkeit nur vortäuschen, müssen mit einem solchen Schritt des Arbeitgebers ebenfalls rechnen. Auch Arbeitsverweigerung kann einen triftigen Grund für eine Entlassung darstellen. Betriebsbedingte Kündigungen können in manchen Fällen ebenfalls fristlos ausgesprochen werden.

Vor einer Kündigung – einer ordentlichen wie außerordentlichen – muss der Arbeitgeber prüfen, ob es ein milderes Mittel gibt. Eine Abmahnung ist ein milderes Mittel. Auch eine Versetzung in eine andere Filiale oder ein anderes Büro kann denkbar sein. Eine Kündigung setzt zudem voraus, dass es wahrscheinlich ist, dass der Mitarbeiter sein Fehlverhalten auch in Zukunft nicht ändert (Negativprognose).

Auch, wenn der Arbeitgeber kündigt, muss er die zweiwöchige Frist nach Bekanntwerden des Missstandes einhalten. Tut er dies nicht, ist davon auszugehen, dass der Pflichtverstoß für ihn nicht so schwerwiegend war, dass eine weitere Zusammenarbeit im Rahmen der regulären Kündigungsfrist unmöglich wäre.

Ist eine vorherige Abmahnung in jedem Fall erforderlich?

Auf die Frage, ob eine Abmahnung vor einer fristlosen Kündigung zwingend ist, gibt es keine pauschale Antwort. Wie so oft kommt es auf den Einzelfall an. Grundsätzlich kommt es auf den Verstoß selbst und dessen Schwere an. Bei besonders gravierenden Pflichtverstößen ist nicht in jedem Fall eine Abmahnung erforderlich.

Möchte der Mitarbeiter kündigen, weil sein Arbeitgeber ihm seinen Lohn zum wiederholten Mal nicht pünktlich gezahlt hat, muss er dafür vorher eine Abmahnung aussprechen. Dem Arbeitgeber wird so die Gelegenheit gegeben, sein Verhalten zu ändern. Das wiederum hätte zur Folge, dass das Arbeitsverhältnis fortbestehen könnte.

Bei einer groben Beleidigung oder sexueller Belästigung hingegen ist eine Abmahnung nicht immer erforderlich. Das Vertrauensverhältnis ist oft irreparabel beschädigt. In vielen Fällen kann der betroffene Mitarbeiter direkt von der Arbeit fernbleiben. Er sollte sich vor einem solchen Schritt jedoch juristisch beraten lassen, um mögliche negative Konsequenzen einer unrechtmäßigen fristlosen Kündigung zu vermeiden.

Auch der Arbeitgeber muss seinen Mitarbeiter in vielen Fällen zuvor abmahnen. Auch hier spielen die individuellen Umstände eine wichtige Rolle. Wenn eine Abmahnung ein probates milderes Mittel darstellt, muss sie vor einer Kündigung erfolgen.

Fristlos gekündigt – was Arbeitnehmer tun können

Arbeitnehmer, denen fristlos gekündigt worden ist, können sich gegen diesen Schritt des Arbeitgebers zur Wehr setzen. Sie können eine Kündigungsschutzklage anstreben. Dies ist jedoch nur sinnvoll, wenn sie davon überzeugt sind, im Recht zu sein. Nach Erhalt der Kündigung haben sie hierfür drei Wochen Zeit, andernfalls entfällt dieses Mittel.

Um die eigenen Chancen vor Gericht zu verbessern, sind Beweise entscheidend. Wer etwa diskriminiert wurde, kann entsprechende E-Mails sammeln. Auch Zeugenaussagen, zum Beispiel von Kollegen, sind hilfreich.