Mehr Selbstbewusstsein im Job: So gelingt es Ihnen

Selbstbewusstsein ist ein wichtiger Faktor für den beruflichen Erfolg. Um Karriere zu machen, braucht es nicht nur Leistungsbereitschaft und Engagement. Wenn jemand neue Herausforderungen selbstbewusst angeht und souverän auftritt, kann das neue Türen öffnen. Nicht jeder aber ist mit einem gesunden Selbstbewusstsein gesegnet. Wie kann man lernen, mehr Selbstbewusstsein im Job zu entwickeln? Hier finden Sie Tipps.

Eine Frau zeigt auf sich selbst, wie erhält man mehr Selbstbewusstsein im Job?

Selbstbewusstsein: Definition

Jeder kennt den Begriff Selbstbewusstsein, aber was genau bedeutet er? Selbstbewusstsein definiert der Duden als „das Überzeugtsein von seinen Fähigkeiten, von seinem Wert als Person, das sich besonders in selbstsicherem Auftreten ausdrückt“.

Wer selbstbewusst ist, kennt seine Stärken und akzeptiert oder mag sich so, wie er ist. Ebenso ist er sich seiner Schwächen bewusst, fokussiert sich aber nicht übermäßig auf sie. Ein selbstbewusster Mensch empfindet sich als grundsätzlich wertvoll und hat das Gefühl, dass er – so wie alle Menschen – es verdient hat, mit Respekt behandelt zu werden. Er traut sich Herausforderungen zu, kann mit Rückschlägen konstruktiv umgehen und ist kritikfähig. Synonyme zu Selbstbewusstsein sind Selbstvertrauen und Selbstsicherheit. 

Darum ist (mehr) Selbstbewusstsein im Job so wichtig

Gehören Sie zu den Menschen mit einem gesunden Selbstbewusstsein? Die sich ihrer Fähigkeiten und Stärken bewusst sind, an sich glauben und ihre Meinung selbstbewusst vertreten? Wenn Sie diesen Text lesen, ist Ihr Selbstbewusstsein womöglich ausbaufähig. Keine Sorge – damit sind Sie nicht allein. Viele Menschen haben ein mäßig ausgeprägtes oder geringes Selbstbewusstsein.

Nicht nur im Privatleben, sondern auch im Job ist es allerdings hilfreich, wenn man selbstbewusst ist. Selbstbewussten Menschen stehen häufig viel mehr Möglichkeiten offen, in vielen Fällen erreichen sie auch mehr. Und das nicht zwingend, weil sie besser oder talentierter wären als andere. Sondern, weil sie sich gut verkaufen können und sich nicht scheuen, ihre Kompetenzen nach außen darzustellen.

In einer Bewerbung zum Beispiel hat ein Bewerber Vorteile, der sich und seine Qualifikationen im Bewerbungsschreiben selbstbewusst anpreist. Bescheidenheit mag sympathisch sein, führt bei Bewerbungen aber selten zum Ziel. Ein selbstbewusster Bewerber hat auch im Vorstellungsgespräch bessere Karten. Er lässt sich wahrscheinlich weniger leicht verunsichern und es gelingt ihm besser, seine Fähigkeiten ohne Scheu darzulegen. Das kann auf Arbeitgeber eher überzeugend wirken – mit dem Resultat, dass selbstbewusste Bewerber oft das Rennen machen.

Selbstbewusste Beschäftigte verdienen oft mehr

Auch im Berufsalltag hilft Selbstbewusstsein. Wer selbstbewusst ist, traut sich mehr zu. Er sagt eher Ja zu neuen Herausforderungen, die eine weniger selbstbewusste Person womöglich wegen Selbstzweifeln nicht annehmen würde. Das kann zum Beispiel bedeuten, dass sich so eine Person für eine zusätzliche Aufgabe meldet, die mit Verantwortung, aber auch neuen Chancen einhergeht. Oder dass jemand für seine Ziele kämpft und sich nicht scheut, sich durchzusetzen, wenn es nötig sein sollte. Weniger selbstbewusste Menschen geben hingegen schneller nach, was ihnen Nachteile einbringen kann.

In Gehaltsverhandlungen ist ein selbstbewusstes Auftreten ebenfalls überaus hilfreich. Dabei spielt es keine Rolle, ob es um die ersten Gehaltsverhandlungen im Bewerbungsgespräch geht oder jemand seinen Chef um eine Gehaltserhöhung bittet. Wer sich nicht ziert, die eigenen Qualifikationen aus Tableau zu bringen, kann eher überzeugen. Hinzu kommt, dass viele Menschen mit einem geringen Selbstbewusstsein gar nicht erst nach mehr Geld fragen.

Je nachdem, welchen Job Sie haben, kann ein selbstbewusstes Auftreten auch bei alltäglichen Tätigkeiten wichtig sein. Das gilt zum Beispiel für Stellen, in denen es viel Kontakt mit Kunden gibt, die je nach Situation überzeugt oder besänftigt werden müssen. Oder nehmen wir an, Sie müssen etwas präsentieren oder vor anderen reden. Das wird Ihnen leichter fallen, wenn Sie ein größeres Selbstbewusstsein haben. Selbstbewusste Menschen lassen sich auch seltener ausnutzen, weil es ihnen besser gelingt, anderen Grenzen zu setzen. Sie sagen nicht Ja, wenn sie eigentlich Nein sagen wollen. Dadurch haben sie tendenziell weniger Stress und sind zufriedener. 

Selbstbewusst im Job: Wie zeigt es sich?

Ob jemand selbstbewusst ist oder nicht, merken andere oft ganz schnell. Bei neuen Kontakten kann man meist schon nach wenigen Augenblicken einschätzen, wie es um das Selbstbewusstsein der anderen Person bestellt ist. Selbstbewusste Menschen haben einfach ein anderes Auftreten als Menschen, deren Selbstbewusstsein geringer ausgeprägt ist. Sie gehen offener auf neue Situationen und Menschen zu und vermitteln dabei auch durch ihre Körpersprache, dass sie mit sich im Reinen sind.

Eine selbstbewusste Haltung kann so oder so ähnlich aussehen: aufrechte Haltung, (leicht) herausgestreckte Brust, keine hängenden oder hochgezogenen Schultern. Selbstbewusste Menschen halten Blickkontakt, ohne zu starren. Sie nehmen beim Reden oft ihre Hände zu Hilfe, indem sie unterstützend gestikulieren. Auch in ungewohnten Situationen halten sich die meisten selbstbewussten Menschen nicht im Hintergrund, sondern stellen sich der Situation proaktiv. Bei Meetings nehmen sie dann zum Beispiel Plätze im Zentrum des Geschehens statt am Rand ein.

Selbstbewusste Menschen sind oft kontaktfreudiger

Weil sie nicht wie manche anderen Menschen permanent mit Selbstzweifeln hadern, können selbstbewusste Menschen auf neue Kontakte freundlicher wirken. Während Menschen mit einem geringen Selbstbewusstsein oft Angst davor haben, dass andere sie ablehnen könnten, geht das selbstbewussten Menschen nicht so. Das wiederum kann dafür sorgen, dass schneller Nähe entstehen kann und eine Beziehung sich positiv entwickelt. Auf diese Weise fällt es Menschen mit einem größeren Selbstbewusstsein leichter, Kontakte zu knüpfen und zu pflegen. Sie zeichnen sich oft durch ein großes berufliches und privates Netzwerk aus.

Dass jemand selbstbewusst ist, zeigt sich auch in Diskussionen und Meinungsverschiedenheiten. Es braucht ein gewisses Selbstbewusstsein, damit jemand überhaupt seine Meinung äußert – vor allem, wenn sie ganz offensichtlich von der Mehrheitsmeinung abweicht. Selbstbewusste Personen stehen für sich und ihre Werte ein, und zwar auch dann, wenn sie Gegenwind bekommen. Weil selbstbewusste Menschen in der Regel durchsetzungsfähig und entscheidungsfreudig sind, sind sie außerdem überdurchschnittlich häufig in Führungspositionen zu finden.

Warum viele Menschen ein geringes Selbstbewusstsein haben

Manche Menschen sind überzeugt von sich, andere eher weniger. Woran liegt es, dass viele Menschen ein geringes Selbstbewusstsein haben? Das hängt mit ihrer Persönlichkeit zusammen. Die wiederum wird nicht nur durch die Gene eines Menschen bestimmt, sondern mindestens ebenso sehr durch die Erfahrungen, die jemand als Kind, Jugendlicher und Erwachsener macht. Die Weichen für ein geringes (oder ausgeprägtes) Selbstbewusstsein werden meistens schon in der früheren Kindheit gestellt.

Dabei spielt das Verhalten der engsten Bezugspersonen eine wichtige Rolle. Was sie dem Kind zurückmelden, wirkt sich auf sein Selbstbewusstsein aus. Eltern, Großeltern, andere Verwandte, aber auch Freunde, Mitschüler und Lehrer reagieren auf das Kind. Wie sie das tun, beeinflusst, wie sich dessen Persönlichkeit entwickelt. Wenn die Eltern zum Beispiel sehr kritisch sind und das Kind kaum etwas richtig machen kann, wird es sich eher zu einem Erwachsenen mit einem geringen Selbstbewusstsein entwickeln. Lob kann hingegen die umgekehrte Wirkung haben und Selbstbewusstsein befördern. Wenn ein Kind wenig selbstbewusst ist, kann das auch mit einem geringen Selbstbewusstsein der Eltern in Verbindung stehen.

Mangelnde Erfolgserlebnisse können ein geringes Selbstbewusstsein befördern

Ein geringes Selbstbewusstsein kann mit negativen Erfahrungen im Laufe des Lebens zusammenhängen. Die Betroffenen haben sich zum Beispiel abgelehnt gefühlt, wurden kritisiert oder gehänselt. Es kann auf der anderen Seite aber auch sein, dass sie sich nicht genügend Herausforderungen gestellt haben, durch die sie selbstbewusster hätten werden können. Wer sich nicht testet, kann auch nicht bestätigt werden. Deshalb ist es nicht gut, wenn Eltern ihre Kinder zu stark behüten und allzu sehr versuchen, sie vor vermeintlichen Risiken oder negativen Situationen zu schützen. Wenn sich Kinder immer nur in ihrer Komfortzone bewegen, können sie nicht wachsen.

Mangelndes Selbstbewusstsein kann zu einem Teufelskreis führen: Die Betroffenen glauben womöglich, nichts zu können und niemand zu sein. So verhalten sie sich dann natürlich auch. Genau dadurch können negative Entwicklungen wahrscheinlicher werden. Ein Beispiel: Eine wenig selbstbewusste junge Frau geht auf eine Party, auf der sie fast niemanden kennt. Sie glaubt, niemand werde mit ihr reden wollen. Weil sie schüchtern ist, vermeidet sie Blickkontakt, außerdem fällt es ihr schwer, mit Fremden ins Gespräch zu kommen. Das Ergebnis: Sie spricht tatsächlich mit niemandem – und sieht sich in ihrer Vorannahmen bestätigt. Dabei übersieht sie, dass ihre Erfahrung unmittelbar durch ihr eigenes Verhalten bedingt wurde. Hätte sie sich selbstbewusster gefühlt und verhalten, hätte sie womöglich tolle Gespräche haben können.

Mehr Selbstbewusstsein im Job: So können Sie es entwickeln

Selbstbewusst zu sein kann man lernen. Natürlich ist es nicht so einfach, alte Muster zu durchbrechen, aber mit der nötigen Zeit und Geduld ist es möglich, sein Selbstbewusstsein zu steigern. Die folgenden Tipps können Ihnen dabei helfen, mehr Selbstbewusstsein im Job zu entwickeln.

Welche Gründe hat Ihr mangelndes Selbstbewusstsein?

Damit Sie Ihr Selbstbewusstsein steigern können, müssen Sie wissen, warum es bislang nur mäßig ausgeprägt hat. Nehmen Sie sich Zeit, zu analysieren, wo die Wurzeln Ihrer negativen Einstellung zu sich selbst liegen. Haben Sie einschneidende negative Erfahrungen gemacht? Haben Ihnen Ihre Eltern signalisiert, dass Sie nicht gut genug sind? Hatten Sie als Kind wenig Freunde?

Gibt es objektiv einen Grund, nicht selbstbewusst zu sein?

Wenn Sie die Gründe für Ihr mangelndes Selbstbewusstsein kennen, können Sie darüber nachdenken, ob Ihr geringes Selbstwertgefühl berechtigt ist. Sind Sie wirklich weniger wert als andere Menschen? Warum sollten andere Sie weniger mögen? Warum sollten Sie weniger schaffen können als andere? Gehen Sie solchen Fragen nach und schauen Sie sich genau an, welche Antworten Sie darauf finden. Deuten sie auf realistische Vorstellungen hin? Mit anderen Worten: Hat Ihr mangelndes Selbstbewusstsein einen guten Grund?

Machen Sie sich Stärken und Errungenschaften bewusst

Menschen mit einem geringen Selbstbewusstsein sehen ihre guten Seiten nicht oder beachten sie zu wenig. Wenn Sie mehr Selbstbewusstsein im Job und dem Privatleben entwickeln wollen, besteht eine gute Übung deshalb darin, sich Ihre Stärken zu vergegenwärtigen. Nehmen Sie sich einen Zettel und schreiben Sie alles auf, was Ihnen in den Sinn kommt. Das können Sie ruhig als laufendes Projekt sehen. Wann immer Ihnen etwas einfällt, ergänzen Sie es. Sie können auch nahestehende Personen um ihre Einschätzung bitten. Ebenso lohnt es sich, aufzuschreiben, was Sie im Leben schon geschafft haben. Das kann Ihre Sichtweise auf sich selbst verändern.

Fokussieren Sie sich nicht auf das Negative

Viele Menschen neigen dazu, sich übermäßig auf die negativen Dinge in ihrem Leben zu fokussieren. Dahinter steckt ein psychologisches Phänomen, das als Negativitätsbias bekannt ist. Es handelt sich um eine negative Verzerrung, die dazu führen kann, dass Sie positive Aspekte weniger stark wahrnehmen. Wenn Sie wissen, dass es den Negativitätsbias gibt, kann Ihnen das dabei helfen, mit negativen Gedanken über sich selbst anders umzugehen.

An Herausforderungen wachsen

Wenn Sie Ihr Selbstbewusstsein steigern möchten, ist es wichtig, dass Sie sich Herausforderungen gezielt stellen. Klar, Sie könnten scheitern. Machen Sie sich aber klar, dass es ohne gelegentliche Rückschläge kaum möglich ist, Fortschritte zu machen. Mal zurückgeworfen zu werden, gehört einfach dazu. Ebenso kann es sein, dass Sie eine Herausforderung auf Anhieb meistern – das pusht Ihr Selbstbewusstsein. Solche Erfahrungen sind wichtig, wenn Sie selbstbewusster werden möchten.

So tun, als ob: Fake it till you make it

Im Moment ist Ihr Selbstbewusstsein noch ausbaufähig. Das heißt aber nicht, dass Sie sich auch so verhalten müssten. Es spricht im Gegenteil sogar viel dafür, selbstbewusster aufzutreten, als Sie es tatsächlich sind. Wenn Sie Selbstbewusstsein vortäuschen, kann das dazu führen, dass Sie sich auch stärker so fühlen.

Vielleicht treffen Sie zum Beispiel auf einen neuen Geschäftskontakt, bei dem Sie Eindruck schinden möchten. Sie sind nervös, zwingen sich aber, in einer selbstbewussten Haltung mit einem strahlenden Lächeln auf die Person zuzugehen. Wetten, dass Sie sich dabei auch wesentlich besser fühlen als wenn Sie zögerlich und schüchtern auftreten würden? Wenn Sie das öfter so handhaben, wächst Ihr Selbstbewusstsein automatisch.

Bildnachweis: Asier Romero / Shutterstock.com

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