Incentives: Wirken sie überhaupt?

Arbeitgeber haben ein Interesse daran, dass ihre Mitarbeiter motiviert und engagiert sind. Dabei können auch Incentives eine Rolle spielen, die den Beschäftigten als Anreiz für hohe Leistungen dienen sollen. Was damit gemeint ist, welche Incentives denkbar sind und wovon es abhängt, ob sie den gewünschten Effekt haben, erklären wir Ihnen in diesem Artikel.

Mehrere Mitarbeiter sind glücklich dank passender Incentives

Incentives Bedeutung: Was sind Incentives und welchen Zweck haben sie?

Der Begriff Incentives stammt aus dem Englischen. Übersetzt bedeutet er so viel wie „Anreiz“ oder „Motivation“. Es handelt sich um einen Sammelbegriff für eine Vielzahl an materiellen und immateriellen Maßnahmen, die – allgemein gesagt – eine Person zu einer bestimmten Handlung bewegen sollen. Im beruflichen Kontext geht es dabei in der Regel um Mitarbeiter, die durch Incentives zu einer guten Leistung motiviert werden sollen.

Mitarbeiter-Incentives können Geld- oder Sachprämien sein. Wenn sich Arbeitgeber dafür entscheiden, Incentives für Mitarbeiter zu setzen, geschieht das selten uneigennützig. Wenn die Mitarbeiter dadurch zufriedener sind, steigt im besten Fall ihre Motivation und Arbeitsmoral. Das kann zu besseren Ergebnissen führen. Mit einer höheren Zufriedenheit der Beschäftigten geht auch eine höhere Mitarbeiterbindung einher, wovon der Arbeitgeber ebenfalls unmittelbar profitiert – fähige Kräfte bleiben ihm schließlich länger erhalten, statt zur Konkurrenz abzuwandern.

Auch im Sinne des Employer Brandings können Incentives Arbeitgebern nützen: Wenn Bewerber sich dadurch eher für dieses Unternehmen entscheiden, hat der Arbeitgeber im War on Talents die Nase vorn. Nicht zuletzt signalisieren Mitarbeiter-Incentives den Beschäftigten Wertschätzung. Das kann das Verhältnis zwischen den Mitarbeitern und dem Arbeitgeber verbessern und sich positiv auf das Betriebsklima auswirken.

Incentives: Beispiele für Mitarbeiteranreize

Viele Firmen nutzen Incentives, um ihre Mitarbeiter zu guten Leistungen anzuspornen. Die Incentive-Programme können dabei von Arbeitgeber zu Arbeitgeber sehr unterschiedlich aussehen. Prinzipiell sind diverse kleinere und größere Maßnahmen denkbar, um die Mitarbeiter zu motivieren. Sie können materieller oder immaterieller Natur sein.

Incentive-Ideen sind zum Beispiel:

  • Boni und Prämien
  • Gewinnbeteiligungen, etwa über Aktien
  • Gehaltserhöhung
  • Firmenwagen
  • Dienstfahrrad
  • Diensthandy
  • Tablet
  • Laptop
  • vergünstigte Kredite
  • vergünstigte Reisen
  • Zuschuss zum Urlaub
  • hohe Zuschüsse zur betrieblichen Altersvorsorge
  • Tankgutscheine
  • Essensgutscheine
  • kostenlose oder vergünstigte ÖPNV-Abos
  • kostenlose Parkplätze
  • (teilweise) Übernahme der Kosten für die Kinderbetreuung
  • Kinderbetreuung in einer Betriebskita
  • Zuschuss für eine Mitgliedschaft im Fitnessstudio
  • kostenlose Weiterbildung
  • Freikarten
  • Teamevents
  • Lob
  • ein bestimmter Titel
  • Obstkörbe
  • kostenlose Getränke

Wie gut wirken Incentives?

Für Arbeitgeber sind Incentives interessant. Aber: Wirken sie überhaupt? Und wovon hängt es ab, wie gut (oder schlecht) Incentives als Anreize tatsächlich sind? Grundsätzlich sollten Arbeitgeber sich gut überlegen, auf welche Incentives sie setzen. Es reicht nicht, einfach zu sagen: Wir bieten als Incentives Reisen, kostenlose Parkplätze und Gutscheine an. Die Incentives müssen zu den Mitarbeitern und ihren Wünschen passen.

Sinnvoll sind Incentives nur, wenn sie zu grundsätzlich positiven Arbeitsbedingungen hinzukommen. Anders gesagt: Mit Obstkörben allein wird man ein schlechtes Betriebsklima nicht wettmachen können. Dazu wirkt ein solcher Anreiz viel zu schwach. Finanzielle Belohnungen für gute Arbeit könnten in diesem Fall aber durchaus für eine höhere Motivation bei den Beschäftigten sorgen.

Dabei sind Incentives nicht in jedem Fall überhaupt dazu geeignet, den mit ihnen verbundenen Zweck zu erfüllen. Eine Studie der Radboud-Universität in den Niederlanden hat gezeigt, dass finanzielle Belohnungen auch kontraproduktiv für gute Leistungen sein können. Bei der Studie mussten Probanden bestimmte Aufgaben in einem gewissen Zeitlimit lösen. War das Ergebnis korrekt, erhielten sie wie vorher angekündigt eine finanzielle Belohnung. Machten sie Fehler, blieb diese Belohnung hingegen aus.

Incentives können nur wirken, wenn die Arbeitsbedingungen stimmen

Dabei hat sich gezeigt: Die Probanden, die schon vorher hohe Dopamin-Level hatten, konnten sich durch die Ankündigung von finanziellen Belohnungen schlechter konzentrieren. Dopamin ist ein Neurotransmitter, der durch angenehme Dinge und Belohnungen ausgeschüttet wird. Die Aussicht auf den möglichen Gewinn hat diese Probanden abgelenkt. Das galt aber nur für einen Teil der Versuchsteilnehmer und lässt sich deshalb nicht auf alle Menschen übertragen. Arbeitgebern hilft das jedoch nur bedingt weiter, denn wie ausgeprägt das Dopamin-Level ihrer Mitarbeiter ist, können sie kaum wissen. Andererseits besteht wohl kein Zweifel daran, dass finanzielle Belohnungen Mitarbeiter grundsätzlich zu höheren Leistungen antreiben können. Das sollte jedoch mit möglichst geringem Druck und Stress für die Beschäftigten verbunden sein.

Ob Incentives für Mitarbeiter den gewünschten Effekt erzielen, hängt letztlich davon ab, was die Mitarbeiter sich am meisten wünschen. Entscheidend sind aber auch andere Faktoren, die sich auf die Mitarbeiterzufriedenheit auswirken. Dazu zählen insbesondere die konkreten Aufgaben, die im besten Fall spannend und zugleich machbar sind, der Zusammenhalt im Team, das Verhältnis zu Vorgesetzten und deren Führungsstil, das Gehalt, Aufstiegsmöglichkeiten und die Ausstattung der Arbeitsplätze sowie die Arbeitsatmosphäre.

Gibt es hier grundlegende Mängel, können Incentives wie Veranstaltungen oder kostenlose ÖPNV-Tickets nur begrenzt Abhilfe schaffen. Stattdessen sollten Arbeitgeber überlegen, wie sie diese Rahmenbedingungen gezielt verbessern können, bevor sie sich allzu sehr auf Incentives fokussieren. Incentives, die mit Bedacht ausgewählt werden, können in Kombination mit guten Arbeitsbedingungen einen spürbaren Effekt auf die Leistungen der Mitarbeiter haben.

Incentives: Pro & Contra

Was spricht für, was gegen den Einsatz von Incentives, um Mitarbeiter zu guten Leistungen zu motivieren? Hier finden Sie Pro- und Contra-Argumente für Incentive-Programme.

Diese Chancen können Incentives bieten

  • Im besten Fall wirken Incentives so, wie es sich der Arbeitgeber erhofft hat: Sie treiben die Mitarbeiter zu höheren Leistungen an,
  • sorgen für eine höhere Mitarbeiterzufriedenheit und
  • wirken dadurch positiv auf die Mitarbeiterbindung.
  • Incentives können für ein höheres Engagement insgesamt sorgen, wenn sie dem entsprechen, was sich die Mitarbeiter wirklich wünschen.
  • Außerdem können sie ein nützliches Instrument für Arbeitgeber sein, die ihren Beschäftigten Wertschätzung signalisieren möchten.

Wann Incentives nicht die gewünschte Wirkung haben

  • Eine Gefahr besteht bei Incentives darin, dass sie nicht so wirken wie erhofft. Das kann daran liegen, dass es die – aus Arbeitnehmersicht – falschen Anreize sind.
  • Für den Arbeitgeber sind zumindest materielle Incentives, die ihren Zweck verfehlen, teuer.
  • Finanzielle Anreize freuen zwar sicherlich die meisten Arbeitnehmer, ersetzen aber echte Wertschätzung durch den Arbeitgeber nicht. Ein ehrliches Lob vom Chef kann diesbezüglich einen größeren Effekt haben als ein Teamevent oder ein Gutschein.
  • Bei bestimmten Incentives kann das Risiko bestehen, dass die Atmosphäre im Team allzu kompetitiv wird. Ein Konkurrenzkampf im Team, weil jeder besonders gut dastehen und sich für bestimmte Belohnungen qualifizieren möchte, ist schädlich für das Betriebsklima.
  • Zu geringe Anreize in Kombination mit einem niedrigen Gehalt und suboptimalen Arbeitsbedingungen sind ein großes Risiko: Die Mitarbeiter könnten sich durch die Anreize veräppelt fühlen – etwa, wenn der Arbeitgeber ihnen Obstkörbe bereitstellt, aber nur den Mindestlohn zahlt.

Bildnachweis: Studio Romantic / Shutterstock.com

Nach oben scrollen