Ausbildung abbrechen – und dann? Das sollten Azubis wissen

Plötzlich zeigt sich, dass die Ausbildung doch nicht das ist, was sich der Auszubildende darunter vorgestellt hat. Sollte man in diesem Fall die Ausbildung abbrechen? Ohne gründliche Vorbereitung und Abwägung aller Möglichkeiten sicherlich nicht. Was Azubis tun sollten, bevor sie ihre Ausbildung vorzeitig beenden, wo es Hilfe bei der Entscheidung gibt und welche Fristen im Fall der Fälle gelten, erfahren Sie hier.

Eine junge Frau sitzt vor Lehrmaterial und will die Ausbildung abbrechen

Ausbildung abbrechen: Diese Gründe gibt es

Tatsächlich kommt es gar nicht so selten vor, dass Azubis ihre Ausbildung abbrechen. Studien zeigen immer wieder, dass ungefähr 20 Prozent der Auszubildenden ihre Ausbildung vorzeitig beenden – in der Mehrzahl der Fälle wird der Ausbildungsvertrag dabei vom Azubi gekündigt.

Ein Grund wird immer wieder genannt: die Arbeitsbedingungen. Einige Azubis kommen nach einiger Zeit im Betrieb zu dem Ergebnis, dass der Ausbildungsberuf doch nicht das hält, was sie sich davon versprochen haben. Die Schichtzeiten oder die Arbeit am Wochenende sind anstrengender als erwartet. Oder aber die Tätigkeiten an sich gefallen dem Azubi nicht.

Zu den Arbeitsbedingungen zählt aber auch das Betriebsklima. Azubis, die ihre Ausbildung abbrechen, berichten häufig davon, dass sie mit dem Ausbilder oder den Kollegen nicht zurechtkommen und daher die Ausbildung nicht weiterführen möchten.

Andere Azubis müssen ihre Ausbildung abbrechen, weil sie gesundheitliche Probleme bekommen. Denkbar ist zum Beispiel, dass eine Kosmetikerin oder ein Friseur eine Allergie gegen bestimmte Stoffe entwickelt, mit denen sie Tag für Tag arbeiten müssen.

Auch harte körperliche Arbeit, wie beispielsweise auf einer Baustelle, kann ein Grund dafür sein, die Ausbildung abzubrechen. Wer schon während seiner Lehrjahre gesundheitliche Probleme wegen des Jobs entwickelt, wird wohl kaum bis zum Renteneintritt in diesem Beruf arbeiten können.

Unterschied: Ausbildung abbrechen vs. vorzeitige Vertragsauflösung

Je nachdem, welcher Grund ausschlaggebend ist, müssen Azubis ihre Ausbildung nicht unbedingt abbrechen. Es gibt auch die Möglichkeit der vorzeitigen Vertragsauflösung. Dabei wechselt der Azubi zum Beispiel in einen anderen Betrieb, weil er bei seinem aktuellen Ausbilder nicht zufrieden ist.

Die Ausbildung an sich wird dabei aber wie gewohnt weitergeführt und der Azubi bleibt auch in der Regel in seiner Berufsschulklasse. Einen Nachteil hat er dadurch also nicht.

Übrigens: Es zeigt sich ein Zusammenhang zwischen dem Bildungsabschluss und der Häufigkeit, mit der Azubis die Ausbildung abbrechen. Wie Zahlen des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) belegen, brechen 38 Prozent der Azubis ohne Hauptschulabschluss ihre Ausbildung ab, während nur 14 Prozent der Abzubildenden mit der Hochschulreife (Abitur) diesen Schritt gehen.

Ausbildung abbrechen oder nicht?

Ohne gründliche Überlegung sollte kein Azubi seine Ausbildung abbrechen. Aus dem Affekt heraus, alles hinzuschmeißen, ist keine gute Idee. Denn so wird er vermutlich einige Wochen oder gar Monate ohne neuen Ausbildungsplatz bleiben. Und diese Lücke im Lebenslauf will bei dem nächsten Bewerbungsgespräch gut erklärt sein.

Azubis, die dann lediglich sagen können, dass sie ihre Ausbildung nach einem Konflikt im Ausbildungsbetrieb beendet haben, dürften schlechte Karten im Jobinterview haben. Denn welcher Personaler stellt schon gerne Mitarbeiter oder Auszubildende ein, die lieber kündigen, statt sich einer Auseinandersetzung zu stellen?

Ein guter Plan muss also her, wenn Azubis mit dem Gedanken spielen, die Ausbildung abzubrechen. Ohne Vorbereitung oder einen neuen Ausbildungsplatz sollte man diesen Schritt nicht gehen. Vorausgesetzt es gibt keine triftigen Gründe dafür, die Ausbildung zu beenden.

Wenn sich der Ausbilder nicht an geltende Gesetze hält, den Azubi zu illegalen Tätigkeiten auffordern oder wenn man als Azubi im Betrieb mit Mobbing oder gar sexueller Belästigung konfrontiert ist, sind das durchaus Gründe, die einen Ausbildungsabbruch nachvollziehbar machen. In diesem Fall wird auch der nächste Ausbildungsbetrieb dafür Verständnis haben.

Ausbildung abbrechen – und dann?

Gibt es jedoch keine schwerwiegenden Gründe, die dazu führen, die Ausbildung vorzeitig zu beenden, ist Umsicht gefragt.

Folgende Schritte bieten sich an, wenn Azubis ihre Ausbildung abbrechen möchten:

  1. Informationen sammeln: Zunächst einmal sollten Sie sich schlau machen: Da wäre zum Beispiel die Agentur für Arbeit, die selbstverständlich auch für Azubis ein Ansprechpartner ist. Zu ihrem Angebot gehören unter anderem ausbildungsbegleitende Hilfen, was bedeutet, dass Auszubildende in einer bedrückenden Lage hier Rat bekommen können. Sollten die Probleme in der Ausbildung zum Beispiel daher kommen, dass der Lernstoff in der Berufsschule zu schwierig ist, können Auszubildende individuelle Nachhilfe, sogenannten Stützunterricht bekommen. Auf der anderen Seite kann die Agentur für Arbeit aber auch bei ganz konkreten Problemen im Betrieb helfen. Zum Leistungsumfang gehört nämlich ebenso ein gezieltes Coaching, bei dem Mitarbeiter der Agentur und Azubi gemeinsam die Probleme bei dem Ausbilder ansprechen und nach einer Lösung suchen. Auch die Industrie- und Handelskammer bietet spezielle Beratungsangebote für Azubis, die Probleme in ihrer Ausbildung haben. Auch hier lohnt es sich daher, einmal nachzufragen.
  2. Ausbilder ansprechen: In einigen Fällen, wenn die Situation noch nicht allzu verfahren ist, hilft auch ein offenes Gespräch mit dem Ausbilder. Wer sich das alleine nicht zutraut, kann bei der Arbeitsagentur oder aber der zuständigen Kammer nachfragen. Mit etwas Glück wird ein Mitarbeiter sich Zeit nehmen und zwischen Ihnen und Ihrem Ausbildungsbetrieb vermitteln. Häufig lassen sich kleinere Missverständnisse bei diesem Gespräch schnell aus der Welt schaffen. Sollten Sie sich überlegen, die Ausbildung abzubrechen, weil die Ausbildungsinhalte sie frustrieren, lässt sich vielleicht auch das klären. Wenn Sie einen großen Überblick über den Ablauf der Ausbildung bekommen, werden Sie sehen, dass die Inhalte im Laufe der Zeit anspruchsvoller werden.
  3. Alternative suchen: Wenn alles nichts hilft und Sie weiterhin jeden Morgen mit Bauchschmerzen zur Arbeit gehen, ist es wohl Zeit, die Ausbildung abzubrechen. Aber das sollten Sie nicht ohne Plan B machen. Im Idealfall haben Sie sogar schon einen neuen Ausbildungsbetrieb gefunden, bei dem sie zeitnah oder zu Beginn des neuen Ausbildungsjahres starten können.

Ausbildung vorzeitig beenden: auf Fristen achten

Wenn Sie sich dazu entschlossen haben, die Ausbildung abzubrechen, müssen Sie auf bestimmte Fristen achten, zu denen die Ausbildung beendet werden kann.

Folgende Fristen gelten dabei für Azubis:

  1. Probezeit: In der Probezeit kann die Ausbildung jederzeit gekündigt werden – sogar ganz ohne Kündigungsfrist. Das bedeutet, dass Sie Ihre Ausbildung in der Regel von einem auf den anderen Tag abbrechen können. Wie lange Ihre Probezeit dauert, sollte im Ausbildungsvertrag vereinbart sein. Maximal 4 Monate sind laut Berufsbildungsgesetz möglich.
  2. Nach der Probezeit: Nach der Probezeit kann die Ausbildung mit einer Frist von 4 Wochen beendet werden. Azubis müssen in ihrer Kündigung einen Grund nennen, warum sie die Ausbildung abbrechen möchten. Das Vorhaben, eine neue Ausbildung anzufangen, ist ein solcher Grund.

Übrigens: Eine Alternative zur Kündigung des Ausbildungsvertrags ist der sogenannte Aufhebungsvertrag. Darin können sich Ausbilder und Azubi einigen, die Ausbildung abzubrechen. Wenn beide Seiten einverstanden sind, muss dabei keine Kündigungsfrist beachtet werden.

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