Meinungsverschiedenheiten: Bedeutung, Ursachen & Lösungen

Dass es in der zwischenmenschlichen Kommunikation hin und wieder zu Meinungsverschiedenheiten kommt, ist ganz normal. Entscheidend ist, wie man mit unterschiedlichen Ansichten und Konflikten umgeht. Hier erfahren Sie, warum Meinungsverschiedenheiten besser sind als ihr Ruf, wie sie entstehen und wie Sie Konflikte mit anderen Menschen in Job und Privatleben lösen können.

Zwei Mitarbeiter streiten sich, was sind Meinungsverschiedenheiten?

Was sind Meinungsverschiedenheiten?

Klären wir zunächst, was unter Meinungsverschiedenheiten zu verstehen ist. Der Duden liefert die folgende Definition: „Unterschiedlichkeit, Gegensätzlichkeit in der Beurteilung, Einschätzung von etwas“. Gemeint ist eine Situation, in der zwei (oder mehr) Menschen unterschiedliche Ansichten und Vorstellungen haben.

Dabei kann es sich um einen ernstzunehmenden Konflikt handeln, muss es aber nicht. Meinungsverschiedenheiten können sehr milde verlaufen: Die Beteiligten tauschen sachlich ihre Meinungen aus und nehmen hin, dass sie unterschiedlicher Meinung sind. Ebenso können Meinungsverschiedenheiten aber auch zu offenen Streitigkeiten führen, bei denen die Beteiligten unsachlich werden oder den anderen persönlich angreifen.

Meinungsverschiedenheiten lassen sich nicht vermeiden

Meinungsverschiedenheiten sind im Kontakt zwischen Menschen ganz normal. Weder ist es möglich, sie zu vermeiden, noch wäre es immer sinnvoll. Wenn Menschen sich im Beruf oder im Privatleben begegnen, treffen Individuen aufeinander, die einen eigenen Charakter haben, eigene Wertvorstellungen, Ideale, Ansichten und Meinungen. Die Unterschiede zwischen Menschen hängen mit deren Persönlichkeit zusammen, können aber auch durch den jeweiligen kulturellen Hintergrund beeinflusst sein. Ebenso wirken sich Erfahrungen und Ziele darauf aus, welche Meinungen jemand hat.

Macht man sich klar, wie facettenreich jeder einzelne Mensch ist, ist es kein Wunder, dass es viele Aspekte gibt, die Menschen von anderen trennen. Dadurch können sich an vielen Stellen Meinungsverschiedenheiten ergeben. Erschwerend hinzu kommt, dass die Kommunikation zwischen Menschen nicht immer optimal verläuft. Es kann zu Missverständnissen kommen, außerdem können Unterhaltungen unsachlich werden, wenn einer oder mehrere Beteiligte emotional in das Gespräch gehen.

Wie genau eine Meinungsverschiedenheit aussehen kann, ist unterschiedlich. Sie kann ganz harmlos sein. Stellen wir uns zum Beispiel vor, zwei Freunde wollen ein Treffen ausmachen. Anna schlägt den Samstag vor, Saskia möchte sich lieber am Sonntag treffen. Schon das ist eine Meinungsverschiedenheit, die aber in diesem Fall womöglich ganz leicht gelöst werden kann. Eine Meinungsverschiedenheit könnte auch so aussehen, dass zwei Kollegen in einem Meeting aneinandergeraten, die sich ohnehin nicht sonderlich mögen. Ihr Konflikt existiert vielleicht schon länger und ist persönlich. Dann braucht es nicht viel, damit es zu einer offenen Auseinandersetzung kommt, in der spitze Kommentare und scharfe Worte fallen können.

Von der Meinungsverschiedenheit zum Streit: Warum es so oft dazu kommt

Nicht immer bleibt es bei einer sachlichen Meinungsverschiedenheit. Manchmal führen unterschiedliche Ansichten dazu, dass es zwischen zwei (oder mehr) Menschen einen Konflikt gibt, der in einen offenen Streit münden kann. Auch das kommt im Beruf und Privatleben immer wieder vor. Warum streiten Menschen? Seine Wurzeln hat ein Streit in unterschiedlichen Ansichten, er kann aber auch mit negativen Gefühlen gegenüber anderen Personen zusammenhängen. Ihm können Verletzungen vorausgegangen sein, ebenso kann es sein, dass jemand einfach nur einen schlechten Tag hat und dadurch schnell gereizt reagiert.

Wie Menschen mit unterschiedlichen Ansichten umgehen, entscheidet maßgeblich darüber, ob es zu einem Streit kommt. Selbst diametral unterschiedliche Vorstellungen können ganz sachlich besprochen werden, wenn die Beteiligten ohne Emotionen in die Interaktion gehen. Es kommt jedoch auf die Persönlichkeit eines Menschen an: Manche Menschen sind leicht reizbar, werden schnell laut oder gar ausfallend, andere lassen sich schwerer aus der Reserve locken. Ein Mangel an Empathie kann Konflikte und Streitigkeiten wahrscheinlicher machen.

Damit aus einer Meinungsverschiedenheit ein Streit wird, braucht es manchmal nicht viel. Mitunter reichen schon Gesten oder eine bestimmte Mimik, damit sich jemand provoziert fühlt und einen anderen angreift. Geht dieser voll auf den Angriff ein, ist schnell ein offener Streit entstanden. Auch hier kommt es auf die Tagesform an: Wenn jemand zum Beispiel gerade voll im Stress ist, sind seine Toleranz und Geduld womöglich begrenzt, wodurch es schneller zu einem Streit kommen kann.

Welche Vorteile Meinungsverschiedenheiten mit sich bringen können

Viele Menschen sehen Meinungsverschiedenheiten als etwas Negatives, das es zu vermeiden gilt. Sie möchten lieber harmonisch mit ihrem Umfeld zusammenleben oder -arbeiten. Das ist allerdings eine unrealistische Herangehensweise, denn Meinungsverschiedenheiten lassen sich nicht ganz vermeiden. Es wäre auch nichts Positives, wenn es keine Meinungsverschiedenheiten mehr gäbe, denn dann wären alle einer Meinung. Das wird im Privatleben schnell langweilig, denn andere Menschen werden durch ihren ganz eigenen Charakter erst interessant – und dazu gehört auch, dass sich nicht alle Ansichten decken.

Im Beruf sind Meinungsverschiedenheiten ebenso wenig wünschenswert. Angenommen, einige Kollegen arbeiten an einem gemeinsamen Projekt. Alle sind sich zu jeder Zeit einig: Wäre das wirklich positiv? Klar, unter diesen Umständen verliefe die Zusammenarbeit wahrscheinlich harmonisch und reibungslos. Es könnte aber sein, dass sich die Beteiligten verrennen, Fehler machen oder suboptimale Entscheidungen treffen. Es ist für ein gutes Ergebnis in vielen Fällen besser, wenn unterschiedliche Meinungen geäußert werden. Diese sollten natürlich sachlich besprochen werden und nicht in eine Streitigkeit münden. Wenn das der Fall ist, kann eine Meinungsverschiedenheit jedoch sehr bereichernd sein.

Nicht zuletzt ist es auch für die persönliche Entwicklung wichtig, vor Meinungsverschiedenheiten nicht zurückzuschrecken. Wenn es keine Meinungsverschiedenheiten gibt, kann das auch damit zusammenhängen, dass sich jemand nicht traut, seine Meinung zu sagen. Das ist auf Dauer frustrierend, denn man wird nicht gehört und hat keinen Einfluss. Die eigene Meinung zu äußern und dazu zu stehen stärkt das Selbstbewusstsein und kann einem mehr Respekt von anderen Menschen verschaffen. Konfliktfähigkeit ist essenziell, um für sich einstehen zu können und anderen, falls nötig, Grenzen zu setzen. Sie ist auch ein wichtiger Karrierefaktor.

Diese Konflikte können Ihnen im Berufsalltag begegnen

Es bleibt nicht immer bei Meinungsverschiedenheiten – wenn es unterschiedliche Ansichten zwischen Menschen gibt, kann das zu Konflikten führen, die sich mit der Zeit verfestigen können. Das kommt besonders im Beruf nicht selten vor, denn anders als im Privatleben suchen wir uns hier nicht aus, mit wem wir es Tag für Tag zu tun haben. Kommt es im Job zu Konflikten, können diese verschiedene Formen annehmen:

  • Sachkonflikte sind Konflikte, bei denen es um die Sache geht. Persönliche Animositäten sind nicht im Spiel, sondern es handelt sich um inhaltliche Meinungsverschiedenheiten, die meist relativ einfach aufzulösen sind. Es könnte zum Beispiel sein, dass Kollegen unterschiedlicher Meinung über die beste Vorgehensweise sind.
  • Rollenkonflikte haben mit den Rollen zu tun, die Beschäftigte im Job einnehmen. Es kann zu Meinungsverschiedenheiten darüber kommen, welche Aufgaben einer Person aufgrund ihrer beruflichen Rolle zufallen oder auch nicht. Ein Beispiel: Es gibt einen Konflikt im Team und der Chef bittet eine Mitarbeiterin, das Ganze zu klären. Sie sieht es jedoch nicht als ihre Aufgabe an, schließlich ist nicht sie die Führungskraft.
  • Beziehungskonflikte hängen mit Einstellungen gegenüber anderen Personen auf einer persönlichen Ebene zusammen. Jemand mag zum Beispiel einen bestimmten Kollegen einfach nicht oder kommt mit der Vorgesetzten wegen ihrer Art nicht klar. Das könnte dazu führen, dass man jedes Wort der anderen Person besonders kritisch beurteilt und schnell gereizt reagiert.
  • Verteilungskonflikte können entstehen, wenn Beschäftigte anderen etwas neiden oder bestimmte Dinge als ungerecht empfinden. Es könnte zum Beispiel sein, dass ein neueingestellter Kollege, der dieselben Aufgaben erledigt wie ein anderer Beschäftigter, mehr Geld erhält, ohne dass es einen Sachgrund dafür zu geben scheint.
  • Wahrnehmungskonflikte entstehen, wenn Menschen Situationen anders einschätzen. Ein Arbeitnehmer ist vielleicht der Meinung, er habe seinen Job gut gemacht, der Vorgesetzte sieht das aber anders.
  • Zielkonflikte können sich insbesondere über verschiedene Hierarchieebenen hinweg ergeben. Sie hängen mit einer unterschiedlichen Zielsetzung der jeweiligen Personen zusammen, woraus sich unterschiedliche Erwartungen ergeben. Ein Zielkonflikt könnte zum Beispiel so aussehen, dass eine Führungskraft maximale Leistungen von den Mitarbeitern erwartet und dabei ein hohes Pensum vorgibt. Die Beschäftigten hingegen haben womöglich ein größeres Interesse daran, dass der Job nicht zu einer Überlastung führt, und erfüllen die hohen Erwartungen der Führungskraft deshalb nicht.

Konflikte vermeiden durch einen konstruktiven Umgang mit unterschiedlichen Vorstellungen

Eine Meinungsverschiedenheit muss nicht zu einem ernstzunehmenden Konflikt führen. Es liegt an den involvierten Personen, das mit geeigneten Maßnahmen zu verhindern. Auch Arbeitgeber und Arbeitgeberinnen sind an dieser Stelle gefragt: Sie sollten ihre Mitarbeiter im Umgang mit Meinungsverschiedenheiten und Konflikten sensibilisieren und ihnen Handlungsempfehlungen an die Hand geben, auf die die Beschäftigten bei Bedarf zurückgreifen können. Auf diese Weise können viele Konflikte verhindert oder zumindest schnell entschärft werden.

Ebenso wichtig ist, welche Kultur in einem Unternehmen herrscht. Es macht einen großen Unterschied, ob die Beschäftigten im Allgemeinen freundlich und respektvoll miteinander umgehen, oder ob Lästereien oder gar Mobbing an der Tagesordnung sind. Auch das Verhalten von Vorgesetzten gegenüber den Mitarbeitern spielt in diesem Zusammenhang eine entscheidende Rolle. Es lohnt sich außerdem, in Teambuilding zu investieren. Wenn in Teams ein gutes Miteinander herrscht und die Arbeitsatmosphäre angenehm ist, werden Konflikte unwahrscheinlicher. Meinungsverschiedenheiten können dann eher sachlich und konstruktiv besprpochen werden.

Was Arbeitnehmer tun können, um Konflikte zu verhindern

Die Beschäftigten selbst sollten in Interaktionen mit ihren Kollegen, Vorgesetzten, Kunden und anderen Personen grundsätzlich lösungsorientiert vorgehen. Das Ziel sollten konstruktive, effektive Gespräche auf einer Sachebene sein. Persönliche Befindlichkeiten sollten in der zwischenmenschlichen Kommunikation keine beziehungsweise eine möglichst geringe Rolle spielen.

Hier sind Arbeitnehmer gefragt, selbstkritisch zu reflektieren, mit welchen Kollegen oder anderen Personen es womöglich unterschwellige persönliche Konflikte gibt, und ganz bewusst zu entscheiden, diese Konflikte nicht auszuleben. Wenn ein sachlicher Austausch in einer bestimmten Situation nicht möglich ist, sollte ein Gespräch lieber vertagt werden, bevor es eskaliert. Verlaufen Gespräche emotional, kann auch zunächst versucht werden, die Unterhaltung auf eine Sachebene zurückzubringen.

Um Konflikte am Arbeitsplatz zu verhindern, ist es wichtig, nicht auf den eigenen Vorstellungen zu beharren. Wer sich in jeder Situation durchsetzen möchte, macht sich damit wahrscheinlich keine Freunde – das Konfliktpotenzial steigt. Besser ist es, kompromissbereit zu sein und auch mal zurückzustecken. Ebenso sollten Diskussionen nicht ausufern, damit kein Frust entsteht.

Konflikte lösen: Mit diesen Ansätzen kann es gelingen

Manchmal ist es zu spät für Prävention. Wenn Konflikte schon entstanden sind, sollten sie schnellstmöglich gelöst werden. Die folgenden Tipps sind hilfreich für die Beseitigung von Konflikten und können helfen, Beziehungen zu verbessern.

Sachlich bleiben

Wenn ein Konflikt einmal entstanden ist, bewegen sich Unterhaltungen oft von der Sachebene weg. Es geht dann in vielen Fällen nicht mehr um Inhalte, sondern es entsteht eine persönliche Auseinandersetzung. Deshalb ist es wichtig, rechtzeitig gegenzusteuern – und gut zu überlegen, wie man sich selbst in Interaktionen mit anderen verhält. Um Konflikte zu entschärfen und zu lösen, ist ein sachlicher Umgang miteinander essenziell. Wenig förderlich ist es hingegen, wenn Beteiligte emotional reagieren oder in ihren Äußerungen verletzend werden.

Den Konflikt zur Sprache bringen

Manche Konflikte schwelen unterschwellig, kosten aber viel Energie und belasten die Beziehung zu anderen. In solchen Fällen kann es sinnvoll sein, den Konflikt offen zu thematisieren, falls das noch nicht geschehen ist. In einem solchen Gespräch können Missverständnisse geklärt und falsche Wahrnehmungen aufgedeckt werden. Gerade in schwierigen, festgefahrenen Situationen ist es wichtig, dass die Atmosphäre bei einer solchen Unterhaltung stimmt. Alle Beteiligten sollten dazu bereit sein und konstruktiv statt konfrontativ auftreten.

Sich in den anderen hineinversetzen

Es kann zur Konfliktlösung sehr hilfreich sein, sich in den anderen hineinzuversetzen, statt nur die eigene Sichtweise zu sehen. Empathie und Verständnis können viel bewirken. Wenn der andere sich gehört und verstanden fühlt, kann das die Atmosphäre zwischen den Beteiligten auf positive Art und Weise verändern. Statt einer Negativspirale kann die Kommunikation eine positive Eigendynamik gewinnen, wenn beide Seiten freundlicher und wohlwollender aufeinander reagieren.

Kompromisse ausloten

Gerade wenn schon Konflikte bestehen, ist es wichtig, gemeinsame Lösungen zu finden, mit denen alle Beteiligten leben können. Kompromisse können helfen, die Wogen zu glätten. Wenn die Beteiligten sich gegenseitig entgegenkommen, fühlt sich am Ende keiner als Verlierer. Dadurch wird persönlichen Konflikten die Grundlage entzogen.

Nicht jeden Konflikt austragen

Konfliktfähig zu sein bedeutet auch, zu wissen, welche Konflikte man lieber nicht austrägt. Jeder Konflikt kostet Energie, und nicht immer ist eine intensive Auseinandersetzung zielführend. Im schlimmsten Fall schädigt sie nur die Beziehung und bringt gar nichts. Vor diesem Hintergrund ist es wichtig, gut zu überlegen, auf welche Diskussionen man sich einlässt und wo man sich vielleicht auch mal geschlagen gibt, um einen Konflikt zu vermeiden.

Bildnachweis: B-D-S Piotr Marcinski / Shutterstock.com

Nach oben scrollen