Selbstoptimierung: Wann sie nützt und wann sie schädlich ist

Selbstoptimierung liegt im Trend. Es gibt unzählige Planer, Apps, Kurse und Coachings, die Menschen dabei helfen sollen, zu einem besseren Ich zu werden. Wie wichtig ist Selbstoptimierung? Was bringt es, an sich zu arbeiten? Und wo stößt das Konzept der Selbstoptimierung an seine Grenzen? In diesem Artikel erfahren Sie es.

Eine Frau streckt die Faust in die Höhe, was ist Selbstoptimierung?

Selbstoptimierung: Definition

Selbstoptimierung, was heißt das überhaupt? Das Konzept der Selbstoptimierung steht für Bemühungen, sich selbst zu verbessern. Es setzt voraus, dass es Aspekte an der eigenen Persönlichkeit gibt, mit denen man nicht glücklich ist, an denen man aber arbeiten kann. Man befasst sich dafür mit den eigenen Schwachpunkten und versucht, sie durch gezielte Strategien nach und nach auszumerzen.

Selbstoptimierung ist sowohl im Privatleben als auch im Beruf denkbar. Sie kann ohne konkreten Hintergrund genutzt werden, aber auch, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Wer Selbstoptimierung betreibt, wünscht sich in der Regel, das meiste aus sich herauszuholen. Dabei geht es oft auch darum, die knappe Zeit besser zu nutzen, indem man sich selbst besser organisiert. Ebenso kann mit Selbstoptimierung das Ziel verknüpft sein, zufriedener oder gesünder zu sein, bewusster zu leben oder sich selbst zu verwirklichen

Wenn Sie sich verbessern wollen, kann das vieles bedeuten. Um nur einige mögliche Selbstoptimierungs-Beispiele zu nennen:

  • Wochenpläne machen, um Fortschritte bei persönlichen Zielen zu messen
  • Schrittzähler nutzen, um Bewegung zu kontrollieren
  • Nahrung in Datenbanken eingeben, um Makro- und Mikronährstoffe im Blick zu behalten
  • Schlaftracker nutzen, um zu sehen, wie gut man schläft
  • Zeitmanagement-Methoden verwenden, um knappe Zeit besser zu nutzen
  • meditieren, um gelassener zu sein
  • Ratgeber zur Selbsthilfe lesen

Diese Vorteile kann Selbstoptimierung mit sich bringen

Dass viele Menschen an Selbstoptimierung interessiert sind, hat gute Gründe. Wenn man sich an der einen oder anderen Stelle durch gezielte Übungen oder bestimmte Erfahrungen verbessern kann – warum sollte man das dann nicht machen? Schließlich können Sie für die Zeit, die Sie in sich selbst investieren, belohnt werden. Sie sind zum Beispiel womöglich erfolgreicher im Beruf, wenn Sie Ihre Stärken noch weiter ausbauen und an Ihren Schwächen arbeiten. Selbstoptimierung kann dann das Instrument sein, das es Ihnen ermöglicht, sich beruflich in die gewünschte Richtung zu entwickeln.

Selbstoptimierung kann Ihnen außerdem dabei helfen, gesünder und zufriedener zu sein. Wenn Sie zum Beispiel Ihre Ernährung überdenken, Ihren Schlaf priorisieren oder sich mehr bewegen, kommt Ihnen das unmittelbar zugute. Nicht zuletzt ist eine gesunde Lebensweise eine Investition in die Zukunft, denn Sie schützen sich damit gegen bestimmte Krankheiten und können Ihr Leben verlängern.

Zeit bewusster nutzen dank Selbstoptimierung

Mit Selbstoptimierung können Sie auch Ihre Produktivität steigern und Ihre Zeit besser nutzen. Viele Menschen haben gefühlt immer zu wenig Zeit. Die Freizeit ist gerade bei einem Vollzeitjob meist ohnehin knapp bemessen, und auch an der Arbeit ist womöglich viel zu tun. Wenn Sie Ihre Zeit sinnvoll einsetzen, können Sie mehr schaffen. Sie haben durch gutes Zeitmanagement tendenziell auch weniger Stress, was wiederum positiv auf Ihre Zufriedenheit zurückstrahlt.

Einerseits profitieren Sie natürlich selbst davon, wenn Sie sich in eine positive Richtung entwickeln, weil Sie an sich arbeiten. Andererseits können auch andere etwas davon haben – zum Beispiel Ihr Partner, wenn Sie ausgeglichener und glücklicher sind. Oder weil Sie dank gutem Zeitmanagement mehr schaffen und Ihrem Partner Aufgaben abnehmen. Vielleicht haben Ihre Kinder etwas von Ihrer Selbstoptimierung, weil Sie entspannter und weniger leicht reizbar sind. Und wenn Sie Ihre Leistungen im Job dank Selbstoptimierung verbessern können, hat natürlich auch Ihr Arbeitgeber unmittelbar etwas davon.

Wie geht Selbstoptimierung?

Viele Menschen wünschen sich, zu einem besseren Ich zu werden. Wie geht das? Wie funktioniert Selbstoptimierung? Grundsätzlich setzt Selbstoptimierung eine gewisse Disziplin und Selbstkontrolle voraus. Sie müssen sich beherrschen können, wenn Sie an Ihren Schwachstellen arbeiten wollen. Die konkrete Umsetzung kann ganz unterschiedlich aussehen, je nachdem, was Sie genau erreichen möchten.

Grundsätzlich ist es eine gute Herangehensweise, zu schauen, wo es noch hakt. Anschließend machen Sie sich einen Plan, wie Sie an Ihren Schwächen arbeiten können. Sie gehen der Frage nach, was nötig ist, um sich in der gewünschten Hinsicht zu verbessern. Sie setzen sich Ziele und arbeiten gewissenhaft darauf hin. Beispiel Ernährung: Vielleicht haben Sie sich vorgenommen, ab sofort gesünder zu essen, um gesünder zu sein und mehr Energie zu haben. Dazu müssen Sie wissen, was das konkret bedeutet.

In Ihrem Fall haben Sie entschieden, dass Sie nur noch selten hochverarbeitete Snacks wie Schokolade oder Chips essen möchten. Außerdem wollen Sie häufiger selbst kochen, und das vorwiegend vegetarisch, mit vielen Ballaststoffen und wenig Fett. Sie können sich dann für jede Woche einen Essensplan machen. Im besten Fall gelingt es Ihnen, sich daran zu halten. Eher aber werden Sie für jeden Schritt vorwärts früher oder später auch einen Schritt zurück machen. Das ist nicht schlimm, sondern ganz natürlich – und hilfreich, denn es zeigt Ihnen auf, wo Ihre Pläne (noch) nicht realistisch sind. Sie können nachjustieren und wenn Sie dranbleiben, werden Sie Ihre Ziele früher oder später erreichen.

Wie Sie sich optimieren können, hängt von Ihren Zielen ab

Oder vielleicht wünschen Sie sich schon ewig, fitter zu sein. Nun haben Sie es sich fest vorgenommen – und machen sich einen Plan, wie oft Sie pro Woche in welcher Weise Sport treiben möchten. Vielleicht möchten Sie zweimal joggen gehen und dreimal Krafttraining zuhause machen. Sie können sich auch in einem Fitnessstudio anmelden, eine App herunterladen oder einen Personal Coach buchen.

Vielleicht sind Sie auch der Meinung, dass Sie zu schüchtern sind. Freies Sprechen vor anderen Menschen fällt Ihnen schwer, ist aber wichtig, um im Beruf voranzukommen. Also überlegen Sie, wie Sie sich in dieser Hinsicht verbessern können. Sie entscheiden sich, an einem Kurs teilzunehmen. Außerdem wollen Sie künftig jede Gelegenheit nutzen, ein paar Worte an andere zu richten – egal, ob durch Wortmeldungen im Meeting oder indem Sie sich bereiterklären, eine Präsentation zu übernehmen.

Abhängig davon, in welcher Hinsicht Sie sich selbst optimieren möchten, haben Sie unzählige Möglichkeiten. Je nachdem, welche Ziele Sie mit der Selbstoptimierung verknüpfen, könnten Sie zum Beispiel ein Dankbarkeitstagebuch führen, um zufriedener zu werden und zu erkennen, was es in Ihrem Leben alles Gutes gibt. Es kann auch nützlich sein, regelmäßig Tagebuch zu führen. Indem Sie sich alles von der Seele schreiben, reflektieren Sie sich und Ihr Verhalten automatisch und kommen in Kontakt mit Ihren Gedanken und Gefühlen.

Nachteile und Risiken von Selbstoptimierung

In moderaten Dosen kann Selbstoptimierung hilfreich sein und Sie weiterbringen. Es kann aber auch gefährlich sein, ständig danach zu streben, sich noch weiter zu verbessern. Denn es sendet eine klare Botschaft aus: So, wie ich jetzt bin, bin ich nicht gut genug. Selbst wenn Sie schon gut sind in dem, was Sie tun – es geht immer noch ein bisschen mehr. Wer sich der Selbstoptimierung verschreibt, ist stets bestrebt, noch eine Schippe obendrauf zu legen.

Das kann damit einhergehen, dass man sich nicht so akzeptiert, wie man ist. Man glaubt, man müsse sich verbessern, und dadurch irgendwie anders werden, um gut genug zu sein. Unter diesen Umständen ist die Gefahr groß, dass man nie da ankommt, wo man hinwill, zumal sich gerade perfektionistische Menschen oft immer neue, höhere Ziele setzen. Es kann dann sein, dass Sie nicht wirklich zufrieden mit dem sind, was Sie erreicht haben. Womöglich fühlen Sie sich minderwertig oder halten sich für unzulänglich, statt sich zu akzeptieren, wie Sie sind. Das Paradoxe daran: Oft sind gerade die Menschen erfolgreich, die im Reinen mit sich sind. Ihre Zufriedenheit strahlen sie aus und wirken dadurch attraktiv auf andere.

Der Grat zwischen Selbstoptimierung und Selbstoptimierungswahn ist mitunter schmal. Viele Menschen, die sich und ihr Leben verbessern wollen, setzen sich damit unter Stress. Es bedeutet Druck, ständig an sich zu arbeiten, als sei man ein Projekt, das nie abgeschlossen ist. Wer sich optimieren will, muss diszipliniert sein. Sich in der Freizeit einfach zu entspannen, zu leben, zur Abwechslung mal nichts Produktives zu machen? Das fällt vielen Menschen schwer. Und wenn sie es doch tun, plagt sie das schlechte Gewissen.

Selbstoptimierungswahn kann psychische und körperliche Probleme schaffen

Wer sich ständig weiter optimieren möchte, sieht womöglich nicht, was er gut kann und was er schon alles erreicht hat. Der Blick ist schließlich permanent auf die Dinge gerichtet, die noch verbesserungswürdig sind. Unter diesen Umständen sind die meisten Menschen nicht sonderlich zufrieden mit sich und ihrem Leben. Oft ist das Erreichte nie genug, denn es gibt immer noch mehr zu tun.

Der Wunsch nach Selbstoptimierung wird häufig durch den Vergleich mit anderen ausgelöst. Solche Vergleiche können sehr schädlich sein, zumal man auf andere immer nur von außen blickt. Besonders problematisch sind soziale Netzwerke: Viele Menschen vergleichen sich darüber mit den geballten (scheinbar) besten Eigenschaften anderer Menschen und erwarten implizit von sich, auch in jeder Hinsicht optimal aufgestellt zu sein. Solche Erwartungen sind vollkommen überzogen und lassen sich nicht erfüllen – das Scheitern ist also vorprogrammiert.

Wenn jemand in einen Selbstoptimierungswahn verfallen ist, ist das einerseits psychisch belastend. Es macht einfach keine gute Laune und kann langfristig Probleme wie Burnout oder Depressionen hervorrufen. Andererseits kann der überzogene Drang nach Selbstoptimierung auch körperliche Beschwerden hervorrufen, etwa psychosomatische Erkrankungen. Viele Betroffene stehen derart unter Druck, dass sie Süchte entwickeln – zum Beispiel nach Alkohol, Drogen oder Aufputschmitteln.

Selbstoptimierung: Auf das richtige Maß kommt es an

Für sich genommen ist es nicht verwerflich, sich an bestimmten Stellen verbessern zu wollen. Außerdem setzt Selbstoptimierung Selbstreflexion voraus, was ebenfalls positiv ist: Sie sind gezwungen, sich mit sich selbst und Ihren Zielen auseinanderzusetzen. Zu wissen, was Sie im Leben wollen, ist immer eine gute Sache. Wo liegt also ein gesundes Maß an Selbstoptimierung? Was ist zu viel des Guten, wann steckt man im Selbstoptimierungswahn?

Was gut und förderlich ist, muss jeder Mensch für sich entscheiden. Sie können am besten beurteilen, ob Sie jemand sind, der ungeachtet seiner Errungenschaften nie zufrieden ist, oder dem es nur darum geht, kleine Verbesserungen anzustoßen. Sie können einschätzen, ob Sie sich mit Ihrem Drang nach Selbstoptimierung überfordern und unglücklich machen. Oder ob Sie sich so wenig mit sich selbst befassen, dass Sie ganz im Gegenteil die Augen vor Ihren Problemen und Schwächen verschließen, obwohl es Ihnen guttun würde, daran zu arbeiten.

Es kommt also darauf an, dass Sie das Maß an Selbstoptimierung finden, das sich für Sie richtig und gesund anfühlt. Es ist nicht verwerflich, sich verbessern zu wollen und negative Zustände und Entwicklungen nicht hinzunehmen. Dabei sollten Sie aber realistisch bleiben – und auch mal guten Gewissens Fünfe gerade sein lassen. Gönnen Sie sich Zeiten, in denen Sie absolut gar nichts tun müssen. Planen Sie Ihre Freizeit nicht bis in die letzte Minute durch, und lassen Sie Pausen zu. Jeder Mensch braucht solche Zeiten der Entspannung, in denen er zur Ruhe kommen kann. Wenn Sie es mit der Selbstdisziplin übertreiben, haben Sie nichts davon. Sie erreichen zwar vielleicht, was Sie sich vorgenommen hatten, sind aber wahrscheinlich zugleich unausgeglichen und unglücklich.

Bildnachweis: KieferPix / Shutterstock.com

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