Work-Life-Balance: Tipps für mehr Zufriedenheit in Job und Privatleben

Vom Begriff Work-Life-Balance hat wohl jeder schon gehört. Von ihm ist die Rede, wenn es um zu viel Stress an der Arbeit oder zu wenig Zeit für Freundschaften und Hobbys geht. Aber was ist damit eigentlich gemeint? Und ist der Begriff überhaupt passend? In diesem Artikel erfahren Sie es – und bekommen Tipps, um die verschiedenen Bereiche Ihres Lebens so zu gestalten, dass Sie insgesamt zufriedener sind.

Eine Frau läuft durch den Park um die Work-Life-Balance zu halten

Work-Life-Balance: Was bedeutet das überhaupt?

Work-Life-Balance – ein Trend-Begriff. Wahrscheinlich haben Sie davon schon oft gehört oder gelesen. Häufig wird der Begriff genutzt, ohne dass klar ist, was damit überhaupt gemeint ist. Deshalb beginnen wir diesen Artikel mit einer Definition von Work-Life-Balance. Gemeint ist, vereinfacht gesagt, das (angestrebte) Gleichgewicht aus Arbeit und Leben. Anders ausgedrückt: Es geht darum, wie man das Berufs- und Privatleben miteinander in Einklang bringen kann, so dass keiner der beiden Bereiche zu kurz kommt.

Der Begriff Work-Life-Balance suggeriert, dass nur ein Gleichgewicht aus Arbeit und Privatleben ein gutes Leben ermöglicht. Arbeit ist zwar für viele Menschen lästig, sie kann aber auch Sinn stiften und Spaß machen. Wer einen Job hat, bei dem beides nicht gegeben ist, lässt Potenzial ungenutzt. Wer zu wenig Zeit (oder Energie) in den Beruf investiert, kommt auf der Karriereleiter wahrscheinlich nicht voran.

Der perfekte Ausgleich ist eine individuelle Frage

Umgekehrt kann es auch problematisch sein, wenn es das Privatleben ist, das zu kurz kommt. Wer lange Arbeitstage hat und womöglich auch noch von zuhause aus arbeitet, hat entsprechend weniger Zeit für andere Dinge wie Partnerschaft, Familie, Freunde, Hobbys und den Haushalt. Darunter können all diese Aspekte leiden. Wenn Ausgleich und Entspannung fehlen, führt das tendenziell zu Stress. Stress wiederum kann auf Dauer krank machen.

Letztlich geht es bei der vielbeschworenen Work-Life-Balance darum, wie man die verschiedenen Bereiche des Alltags so miteinander vereinen kann, dass man zufrieden mit der Gesamtsituation ist. Wie genau die perfekte Work-Life-Balance aussieht, ist eine Frage, die immer nur individuell beantwortet werden kann. Für den einen ist dafür mehr Freizeit nötig, für den anderen ein neuer Job, der mehr Erfüllung bringt als der alte. Auch Einstellungen und Erwartungen bestimmen darüber mit, wie es um die Work-Life-Balance bestellt ist.

Work-Life-Balance: Nur ein Mythos? Thesen gegen die Work-Life-Balance

An der Vorstellung einer Work-Life-Balance kommt immer wieder Kritik auf, die sich vor allem an der Bezeichnung entzündet. Die folgenden Anti-Thesen stellen die Bedeutung des vielzitierten Begriffs infrage.

Arbeit ist ein Teil des Lebens

Kritisiert wird der Begriff Work-Life-Balance vor allem, weil er nahelegt, dass das Leben und die Arbeit zwei unterschiedliche Dinge seien. Die Bezeichnung ist deshalb etwas unglücklich gewählt. Arbeit ist ein Teil des Lebens, und wer arbeitet, ist unzweifelhaft am Leben. Arbeit ist somit immer ein Bestandteil des Lebens. Wer die vielen Stunden, die er bei der Arbeit verbringt, ausklammert, weil er glaubt, das „wahre Leben“ beginne erst nach Feierabend, vergibt eine Chance. Es ist oft möglich, das Berufsleben so zu gestalten, dass die Zeit im Büro oder im Betrieb zumindest etwas Spaß macht. Dadurch wird es weniger dringend, in der Freizeit einen Ausgleich zu finden.

Arbeit und Privatleben sind keine Gegenspieler

Die Bezeichnung Work-Life-Balance legt nahe, dass Arbeit und Privatleben Gegenspieler sind. Der Arbeit hängt dabei eine negative Konnotation an; sie wird als etwas vermittelt, für das ein Ausgleich nötig ist. Das ist tatsächlich oft der Fall, schließlich verbringen wir viel Zeit im Job, haben oft Stress oder sind geistig erschöpft, wenn wir nach Hause gehen. Allerdings: Auch wenn es in vielen Fällen eine gefährliche Illusion ist, dass Arbeit immer erfüllend oder sinnstiftend sein sollte, gibt es viele Menschen, die in ihrer Arbeit aufgehen. Für viele Arbeitnehmer ist der Job eine Bereicherung und bietet ihnen eine Aufgabe, die sie ohne den Job vermissen würden.

Ständiger Optimierungsdrang ist gefährlich

Ein Trend in unserer heutigen Zeit ist es, alles optimieren zu wollen. Ratgeber erklären uns, wie wir die steilste Karriere hinlegen, wie wir die perfekte Mutter oder der perfekte Vater werden und wie es uns gelingt, unsere Zeit so zu managen, dass wir alles unter einen Hut bekommen, was uns wichtig ist. Dabei wird leicht vergessen, dass die Lage durch den ständigen Optimierungsdrang nicht zwangsläufig besser wird – Zeit ist schließlich nicht unendlich vorhanden. Gleichzeitig entsteht Druck, der belastend sein kann.

Es ist eine Illusion, zu glauben, irgendjemand könnte in allen Bereichen seines Lebens optimal funktionieren. Ein Erfolg in einem Bereich geht üblicherweise zulasten eines anderen Bereichs. Viele Menschen haben falsche Vorstellungen – und glauben, mit einem besseren Zeitmanagement müsste doch alles wie am Schnürchen laufen. Das führt fast unweigerlich zu Enttäuschungen, denn egal, wie sehr Sie sich auf den Kopf stellen: Dass Sie jederzeit zu 100 Prozent zufrieden mit dem Status quo in den verschiedenen Bereichen Ihres Lebens sind, ist äußerst unwahrscheinlich.

Die natürlichen Schwankungen des Lebens werden ausgeklammert

Das Leben befindet sich ständig im Wandel. Der Glaube, dass man eine hundertprozentige Work-Life-Balance erreichen und jederzeit aufrechterhalten könnte, ist ein Trugschluss. Vielmehr gibt es wechselnde Phasen und natürliche Schwankungen. Es ist normal, dass es Zeiten gibt, in denen mal mehr Stress herrscht. Darauf folgen meist Phasen der Entspannung, bei denen im Job weniger zu tun ist oder in denen Konflikte im Privatleben überwunden sind. So entsteht automatisch ein Ausgleich. In stressigen Phasen kann es helfen, sich vor Augen zu halten, dass diese Zeiten vorübergehen. Nur, wenn sie zum Dauerzustand werden, ist es Zeit, etwas zu verändern.

Zufriedenheit ist (auch) eine Frage der Einstellung

Ohne Frage ist es wichtig, dass die verschiedenen Bereiche des Lebens im Einklang miteinander sind. Allerdings ist manchmal nicht entscheidend, ob wirklich genug Zeit sowohl für das Berufs- als auch das Privatleben bleibt. Vielmehr kommt es darauf an, mit welcher Einstellung man die verschiedenen Teile des Lebens betrachtet.

Entscheidend kann etwa sein, ob man mit einer anderen Einstellung an eine Arbeitsstelle herangehen kann, indem man etwa akzeptiert, dass die Arbeit manchmal keinen Spaß macht. Oder dass man erkennt, dass all die Dinge, die man in die rare Freizeit packen möchte, ihrerseits Stress erzeugen. Wichtig ist auch, das Beste aus allen Situationen zu machen. Wer im Job nicht zufrieden ist, kann etwa ein offenes Gespräch mit dem Chef suchen, den Kontakt zu den Kollegen verbessern oder sich stärker einbringen, um eigene Ideen umzusetzen. Das kann die Zufriedenheit erhöhen und kommt damit auch der Work-Life-Balance zugute.

Work-Life-Balance: Diese Maßnahmen können dabei helfen

Unabhängig davon, dass der Begriff Work-Life-Balance umstritten ist, bleibt für viele Menschen doch der Wunsch, durch ein harmonisches Miteinander von Beruf und Privatleben mehr Zufriedenheit im Leben zu erfahren. Die folgenden Maßnahmen können Ihnen dabei helfen.

Akzeptieren Sie, dass Sie nie alle Punkte von Ihrer To-Do-Liste abarbeiten werden

Gehören Sie zu den Menschen, die gerne To-Do-Listen schreiben? Vielen Menschen hilft es, sich alle kleineren und größeren Aufgaben zu notieren. So kann man schließlich nichts vergessen. Bei vielen nimmt die To-Do-Listen-Schreiberei jedoch Überhand. Die Aufgaben sind schier endlos, so dass man kaum je alles schaffen kann. Je länger die To-Do-Liste, desto unrealistischer ist es, dass alles abgearbeitet wird. Indem Sie das von sich verlangen, verurteilen Sie sich selbst zum Scheitern. Nehmen Sie hin, dass Ihre To-Do-Liste nie ganz leer sein wird – und wenn doch, kommen in kürzester Zeit neue Punkte hinzu. Machen Sie sich klar, dass Sie nicht alles schaffen müssen, bevor Sie abschalten dürfen.

Freizeit durchdacht nutzen

Freizeit ist für viele Arbeitnehmer ein kostbares Gut. Sie fiebern dem Feierabend oder dem Wochenende entgegen – oft nur, um sich später zu fragen, wie sie die wertvolle Zeit eigentlich genutzt haben. So geht es vielen Menschen. Allzu oft hängt man vor dem Handy, statt endlich das Buch zu lesen, was man schon lange lesen wollte, oder einen Waldspaziergang zu machen. So verrinnt die Zeit, und am Ende bleibt oft nur das schlechte Gewissen, weil man die Zeit nicht optimal genutzt hat.

Einerseits sollten Sie nicht von sich erwarten, in Ihrer Freizeit jederzeit maximal produktiv zu sein. Es ist völlig in Ordnung, mal nichts zu tun. Andererseits sind Sie womöglich tatsächlich zufriedener, wenn Sie mehr von den Dingen gemacht haben, die Sie sich vorgenommen haben. Überlegen Sie deshalb vor einem freien Tag oder Abend, was Ihnen wirklich wichtig ist. Wann würden Sie am Ende des Tages sagen, dass Sie ihn gut genutzt haben? Sorgen Sie dafür, dass diese Dinge Vorrang haben. Bedenken Sie dabei, dass man nicht alles durchplanen kann. Lassen Sie Platz für Unvorhergesehenes – und stressen Sie sich nicht, wenn Sie nicht alles gemacht haben, worauf Sie Lust hatten.

Zeitfresser finden und eliminieren

Wenn Sie sich öfter fragen, wohin die Zeit eigentlich gegangen ist, haben Sie wahrscheinlich viele Zeitfresser in Ihrem Leben. Machen Sie diese ausfindig, um sie zu eliminieren oder die Zeit bewusst zu begrenzen, die Sie mit der jeweiligen Aktivität verbringen. Wie viel Zeit Sie mit WhatsApp und anderen Social-Media-Angeboten verbringen, können Sie leicht über die Statistik Ihres Smartphones nachvollziehen. Am PC können Sie eine Stoppuhr laufen lassen, während Sie „nur mal eben“ Nachrichten lesen oder etwas googeln, was nichts mit dem zu tun hat, was Sie eigentlich tun wollten. Sie werden erstaunt sein, wie viel Zeit für Dinge draufgeht, die Ihnen eigentlich nicht so wichtig sind. Außerdem unterminimieren solche Ablenkungen Ihre Konzentrationsfähigkeit, weshalb die eigentliche Aufgabe länger dauert.

Klare Trennung zwischen Arbeit und Freizeit

Wenn Sie das Gefühl haben, zu wenig Zeit für sich zu haben, kann das auch daran liegen, dass Sie gedanklich auch in Ihrer Freizeit bei der Arbeit sind. Nehmen Sie die Arbeit nicht mit nach Hause. Widerstehen Sie der Versuchung, schon morgens beim Kaffee berufliche Mails zu checken oder schon mit der Arbeit zu beginnen. Nutzen Sie Ihre freie Zeit für Dinge, die Ihnen bei der Entspannung helfen und die Sie zufriedener machen.

Schluss mit Perfektionismus – setzen Sie Prioritäten

Um zufriedener zu sein, ist es wichtig, Perfektionismus abzulegen. In einer idealen Welt würde natürlich alles optimal laufen – die Karriere, die Familie, die Beziehungen, Freundschaften, Hobbys und der Haushalt. All diese Dinge kosten aber Zeit, vor allem, wenn es gut werden soll. Kein Mensch hat unbegrenzt Zeit. Deshalb ist es wichtig, dass Sie erkennen, was Ihnen wirklich wichtig ist. Das bedeutet auch, zu entscheiden, ob Ihnen Ihre Karriere wichtiger ist oder Ihre Beziehung, Ihre Freundschaften oder Ihr zeitintensives Hobby. Erkennen Sie diese Dinge klar und gestalten Sie Ihr Leben konsequent danach. Akzeptieren Sie, dass Sie Abstriche machen müssen, um bestimmte Ziele zu erreichen.

Nicht bei allem, was Sie tun, müssen Sie 100 Prozent geben. Manchmal ist es völlig ausreichend, eine Aufgabe gut, aber nicht unbedingt perfekt zu erledigen. Dadurch sparen Sie Zeit und Nerven. Kommt Ihnen etwa bei mangelnder Work-Life-Balance die Hausarbeit zu kurz, nehmen Sie sich vor, jeden Tag 15 bis 30 Minuten Zeit in den Haushalt zu stecken. Dadurch kommen Sie spürbar voran, schaffen aber womöglich nicht alles. Das ist nicht schlimm, schließlich gibt es auch noch andere Dinge, die Ihnen wichtig sind. Freuen Sie sich über den Fortschritt und nutzen Sie die verbleibende Zeit für schöne Dinge.

Gönnen Sie sich schöne Erlebnisse

Apropos schöne Dinge: Viele Menschen haben so viele Aufgaben auf ihrer To-Do-Liste, dass sie sich kaum zugestehen, freie Zeit so zu nutzen, wie sie es sich wirklich wünschen würden. Das ist besonders dann so, wenn die Lust auf Dinge am größten ist, die nicht gerade als produktiv einzustufen sind. Für Ihr Wohlbefinden und als wichtiger Pfeiler der Work-Balance ist es wichtig, dass Sie Ihre Zeit bewusst genießen. Auch die Reihenfolge, in der Sie Dinge tun, kann einen Unterschied machen. Es spricht zwar einiges dafür, erst die leidigen Aufgaben zu erledigen und dann das zu tun, was einem Spaß macht. Das kann aber auch dazu führen, dass für die schönen Dinge keine Zeit mehr bleibt. Das macht auf Dauer unzufrieden. Machen Sie also öfter mal zuerst das, was Ihnen am meisten Freude bereitet.

Die Bedeutung einer gesunden Lebensweise

Eine gesunde Lebensweise trägt zu einer guten Work-Life-Balance bei. Wenn Sie genug schlafen, sich gesund ernähren und sich ausreichend bewegen, sind Sie wahrscheinlich ausgeglichener, gesünder und leistungsfähiger. Dadurch schaffen Sie mehr und sind insgesamt zufriedener. Durch eine gesunde Lebensweise können Sie Stress abbauen und einer Überlastung vorbeugen. Besonders Sport tut gut, er sollte aber Spaß machen, damit er nicht zu einer weiteren Pflicht wird.

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