Digital Leadership: Führung im digitalen Zeitalter

Die Arbeitswelt befindet sich in einem steten Wandel. Kaum eine Entwicklung war jedoch so umwälzend wie die der vergangenen Jahre und Jahrzehnte. Das hängt insbesondere mit der fortschreitenden Digitalisierung zusammen. Für Unternehmen macht sie eine digitale Transformation erforderlich: Wer sich nicht an die veränderten Rahmenbedingungen anpasst, bleibt auf der Strecke. In diesem Zusammenhang spielt Digital Leadership eine entscheidende Rolle. Was verbirgt sich hinter dem Begriff und wie kann die digitale Transformation praktisch aussehen? Welche Merkmale zeichnen einen Digital Leader aus? Hier erfahren Sie es.Zwei Führungspersonen nutzen eine neue Software im Rahmen der Digital Leadership

Definition: Was ist Digital Leadership?

In den vergangenen Jahren ist der Begriff Digital Leadership bedeutsam geworden. Aber was ist damit eigentlich gemeint? Eine allgemeingültige Definition von Digital Leadership existiert nicht. Es handelt sich dabei um einen Führungsstil, der auf neue Instrumente und Methoden setzt, um auf die Digitalisierung zu reagieren.

Mit Digital Leadership – auch Leadership 4.0 oder Digital Transformation Leadership – passen sich Unternehmen an die Herausforderungen des digitalen Zeitalters an, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Mit dem Digital Leadership geht ein Umdenken einher; alte Vorgehensweisen und Strukturen werden auf den Prüfstand gestellt. Was gestern einmal nützlich war, muss schließlich heute nicht mehr die beste Lösung sein.

Digital Leadership kann sich auf diverse Felder und Zielgruppen erstrecken. Jegliche Strategien im Rahmen einer digitalen Transformation beziehen üblicherweise das Arbeitsumfeld, die Abläufe im Betrieb und die Kunden mit ein. Letztlich geht es bei Digital Leadership darum, sich ganz auf den Nutzer zu fokussieren. Der Begriff des Nutzers ist dabei bewusst breit gewählt; gemeint sein können Kunden ebenso wie Mitarbeiter und andere Personen.

Digital Leadership als Antwort auf eine veränderte Arbeitswelt

Digital Leadership trägt den Entwicklungen der vergangenen Jahre und Jahrzehnte Rechnung. Die Arbeitswelt befindet sich in einem Umbruch, was eng mit der Digitalisierung verknüpft ist. Innovative Entwicklungen finden in einem rasanten Tempo statt, Marktbedingungen ändern sich ständig, und disruptive Geschäftsmodelle stellen das bisher Dagewesene auf den Kopf.

Produktzyklen werden immer kürzer, technologische Entwicklungen erfordern andere Herangehensweisen, Unternehmen müssen sich gegen neue Wettbewerber behaupten, auch solche aus dem Ausland. Gleichzeitig ändern sich die Bedürfnisse von Konsumenten und Kunden, die mit dem Althergebrachten oft nicht mehr zufrieden sind. Innerhalb von Unternehmen wechseln Mitarbeiter durch die neue berufliche Mobilität deutlich häufiger als früher, zugleich drohen Arbeitsplätze der Digitalisierung der Arbeitswelt zum Opfer zu fallen.

Digitale Transformation: Wer sich nicht anpasst, wird abgehängt

Für Unternehmen ist es essenziell, sich an die veränderte Situation anzupassen. Digital Leadership ist entscheidend, um für die Zukunft gewappnet zu sein und sich in Zeiten der Digitalisierung gegen die Konkurrenz behaupten zu können. Mit Digital Leadership können Firmen ihre Ressourcen optimal nutzen, Kunden, aber auch Mitarbeiter eher zufriedenstellen und ihre Produktivität steigern. Digital Leadership erlaubt es, flexibler auf neue Entwicklungen zu reagieren.

Eine nachhaltige Strategie und Herangehensweise, die auf Digital Leadership setzt, ist besonders dort wichtig, wo der Kontakt zum Kunden besonders eng ist. Letztlich besteht jedoch für alle Bereiche der Bedarf, mit Digital Leadership eine digitale Transformation zu vollziehen. Viele Unternehmen haben die Notwendigkeit von einem geeigneten Digital Transformation Leadership längst erkannt. Zwischen Anspruch und Wirklichkeit klafft jedoch vielerorts eine Lücke, denn bei vielen Unternehmen herrscht Nachholbedarf. Das hängt auch damit zusammen, dass vielen Arbeitgebern nicht klar ist, wie genau Digital Leadership etabliert werden kann.

Wie kann Digital Leadership praktisch aussehen?

Beim Digital Leadership gibt es nicht die eine, allgemeingültige Strategie. Erfolgreiche Unternehmen nachzuahmen lohnt sich für andere Unternehmen nur bedingt, denn was für eine Firma passend ist, muss es für eine andere nicht sein. Vielmehr benötigt jedes Unternehmen seinen eigenen Ansatz, der den eigenen Zielen, Strukturen und der Zielgruppe gerecht wird.

Welche Ansätze im Rahmen eines Digital Leaderships sinnvoll sind, hängt vom Entwicklungsstadium – dem digitalen Reifegrad – eines Unternehmens ab. Manche Unternehmen, besonders manche Start-Ups, werden von vornherein so aufgebaut, dass sie an das digitale Zeitalter angepasst sind. Bei bestehenden Unternehmen ist eine digitale Transformation nötig, falls sie noch nicht erfolgt ist. Digital Leadership ist nicht nur nötig, um diese Veränderung voranzutreiben. Diese Art der Führung ist auch essenziell, um nach einer erfolgreich abgeschlossenen digitalen Transformation angemessen auf neue Entwicklungen reagieren zu können.

Digital Leadership bedeutet für Unternehmen fast immer, neue Wege zu beschreiten. Sie müssen ihre bisherigen Vorgehensweisen und Strukturen überdenken. Allein auf technische Neuerungen sollte sich die digitale Transformation keinesfalls erstrecken. Auch die Beziehung zu den eigenen Mitarbeitern und zur Zielgruppe ist ein entscheidender Baustein vom Digital Leadership.

Digitale Transformation: Beispiele für mögliche Ansatzpunkte beim Digital Leadership

Digital Leadership kann mit einer Vielzahl an Veränderungen einhergehen. Die folgenden Aspekte sind Beispiele dafür, wie die digitale Transformation umgesetzt werden kann:

  • verstärkte Nutzung digitaler Kanäle, auch im Hinblick auf soziale Medien
  • flexible Arbeitszeiten für die Mitarbeiter, zum Beispiel über ein Arbeitszeitkonto
  • Möglichkeit der Mitarbeiter zur Arbeit im Homeoffice
  • Meetings über Skype
  • Online-Leistungsbeurteilung der Mitarbeiter
  • mehr Entscheidungsspielraum, mehr Freiheiten für Mitarbeiter, um ihre Kreativität zu fördern
  • mehr Offenheit für die Ideen von Mitarbeitern
  • flachere Hierarchien
  • Fokussierung auf Ergebnisse, nicht starre Systeme
  • Optimierung von Prozessen für ein effizienteres Arbeiten
  • technische Möglichkeiten, etwa Optimierung der IT-Systeme, Datenspeicherung in der Cloud
  • Nutzung mobiler Systeme
  • bessere Vernetzung und Zusammenarbeit innerhalb des Unternehmens
  • Entwicklung von kollaborativen Systemen
  • bessere Kommunikation im Unternehmen, mehr Transparenz über Entscheidungen und Vorgehensweisen, gutes Konfliktmanagement
  • Schulungen oder Weiterbildungen von Mitarbeitern und/oder Führungskräften
  • gezielte Förderung von talentierten Mitarbeitern
  • Verbesserung der Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter, damit diese zufrieden sind und kompetente Kräfte im Unternehmen gehalten werden können
  • Diversifizierung des Teams durch Mitarbeiter verschiedenen Alters, mit verschiedenem Erfahrungshorizont, unterschiedlichen Hintergründen, Ideen und Werten

Worauf es bei Digital Leadership ankommt

Letztlich ist es im Sinne eines Digital Leaderships unabdingbar, alle Vorgehensweisen und oft auch die Unternehmenskultur auf den Prüfstand zu stellen. Gerade Mitarbeiter und Führungskräfte, die schon lange dabei sind, stehen einer Veränderung möglicherweise kritisch gegenüber. Bleibt alles wie bisher, kann eine digitale Transformation allerdings nicht stattfinden.

In der Umsetzung der digitalen Transformation mithilfe von Digital Leadership ist es wichtig, eine Vision zu haben, an der sich alle Maßnahmen ausrichten. In der Umsetzung können Unternehmen verschiedene Instrumente zunächst testen. Bringen sie nicht die gewünschten Ergebnisse, können sie wieder verworfen werden – oder sie werden dauerhaft genutzt, weil sie sich als nützlich herausgestellt haben.

Bei Digital Leadership gibt es nicht den einen, festen Weg. Es läuft nicht immer alles nach Plan, vielmehr handelt es sich bei jeder digitalen Transformation um einen Lernprozess. Dazu gehört es, Fehler zu erkennen und die richtigen Schlüsse aus ihnen zu ziehen. Nicht eine einzige, unveränderliche Strategie ist gefragt, sondern das Nebeneinander mehrerer Strategien, die immer wieder hinterfragt werden. Ebenso wenig gibt es fixe Ergebnisse, durch die der Prozess der digitalen Transformation beendet wäre. Unternehmen müssen immer flexibel bleiben, um auf neue Entwicklungen zu reagieren.

Was zeichnet einen guten Digital Leader aus?

Wie gut die Anpassung eines Unternehmens an die veränderte Arbeitswelt im digitalen Zeitalter gelingt, hängt maßgeblich vom Verhalten der Führungskräfte ab. Digital Leader wie der CEO oder andere hochrangige Führungskräfte fungieren als Bindeglied zwischen allen Bereichen und Ebenen des Unternehmens. Entscheidend ist, dass alle wichtigen Führungskräfte an einem Strang ziehen.

Beim Digital Leadership ist eine bestimmte Art von Führung gefragt. Um den Führungsstil anzupassen, ist häufig ein grundlegendes Umdenken nötig. Das kann etwa bedeuten, ein größeres Augenmerk auf Soft Skills beim Digital Leader zu legen. Er muss klar, aber einfühlsam kommunizieren können. Zwischenmenschliches ist beim Digital Leadership wichtiger als starre Hierarchien. Digital Leader müssen erkennen, dass die eigenen Mitarbeiter entscheidend für den Unternehmenserfolg sind. Entsprechend wichtig ist es, die Beschäftigten gezielt zu fördern und dafür zu sorgen, dass sie ihre Arbeit gut machen können. Auch ihre Zufriedenheit spielt dafür eine wichtige Rolle.

Digital Leader müssen kreativ sein und ein Gespür für Trends haben. Das heißt nicht, dass jeder Trend mitgemacht werden muss – ein guter Digital Leader hat ein Gefühl dafür, welche Trends sich durchsetzen werden und welche nicht. Er setzt darüber hinaus selbst mit eigenen Ideen neue Impulse. Eine umsichtige, zukunftsorientierte Handlungsweise ist beim Digital Leadership entscheidend, um mit aktuellen Entwicklungen mithalten zu können und sich von der Konkurrenz abzusetzen.

Digital Leader müssen bereit sein, Neues auszuprobieren

Es ist für Digital Leader essenziell, den Markt sehr genau zu beobachten. Von Veränderungen werden sie dann nicht überrascht, vielmehr können sie schon frühzeitig darauf reagieren. Führungskräfte sollten außerdem technikaffin sein und ein tiefgehendes Verständnis für Digitales haben. Oft ist es nötig, sich speziell weiterzubilden. Mit einer Weiterbildung ist es jedoch nicht getan: Digital Leader müssen die Bereitschaft haben, sich auch privat stets auf dem Laufenden zu halten.

Ein guter Digital Leader bringt eine gewisse Risikobereitschaft mit und ist bereit dazu, Neues ergebnisoffen auszuprobieren. Es gehört zu seinem Job, aus Fehlern zu lernen. Dafür ist es unerlässlich, den Status quo regelmäßig selbstkritisch zu prüfen.

Beim Digital Leadership sollte auch die Rolle der Führungskraft grundlegend überdacht werden. Ein Vorgesetzter ist nicht jemand, der Anweisungen gibt und alles entscheidet. Vielmehr sollte ein Digital Leader seine Mitarbeiter anregen und ihre Schwarmintelligenz nutzen, um die beste Lösung zu finden. Ein gutes Ergebnis ist wichtiger als strikte Kontrolle. Die Führung muss den verschiedenen Situationen im beruflichen Alltag angepasst werden. So kann der Digital Leader immer so reagieren, wie es gerade angemessen ist. Er sollte außerdem transparent über Entscheidungen und Vorgehensweisen informieren.

Viele Digital Leader setzen auf einen partizipativen Führungsstil

Häufig setzen Digital Leader auf einen partizipativen Führungsstil. Es kommen jedoch auch andere Führungsstile beim Digital Leadership infrage, darunter eine situative Führung. Letztlich hängt es von der Ausgangslage und den beteiligten Personen ab, welche Herangehensweise sich in einer bestimmten Situation am besten eignet. So kann der Digital Leader mal klar anweisen, mal unterstützen oder anleiten und in anderen Fällen delegieren. Hierbei kommt es insbesondere auf die Erfahrung der Mitarbeiter an.

Entscheidend für den Erfolg beim Digital Leadership ist eine klare Roadmap, die auf einem gemeinsamen Verständnis von Führung im Unternehmen basiert und die konsequent auf alle Bereiche übertragen wird. Digital Leader brauchen die Unterstützung der Geschäftsführung oder Unternehmensleitung, falls sie nicht selbst an der Spitze des Unternehmens stehen. Sie müssen ebenso ihre Mitarbeiter einbeziehen und dafür sorgen, dass diese Strategien und Vorgehensweisen mittragen. Ebenso müssen sie jederzeit anpassungsfähig bleiben, denn ein „Weiter so“ kann es beim Digital Leadership nicht geben. Das würde das Risiko bergen, dass das Unternehmen auf neue Entwicklungen nicht rechtzeitig reagiert und im Vergleich zu Wettbewerbern ins Hintertreffen gerät.

Bildnachweis:  Gorodenkoff / Shutterstock.com