Fantasiefiguren fliegen zwischen den Seiten eines Buches umher.

Bewerbungsmythen: 12 Halbwahrheiten auf dem Prüfstand

Hinter einer erfolgreichen Bewerbung stecken oft viel Zeit und Mühe. Wer gute Chancen haben und alles richtig machen möchte, holt sich oft Tipps von Bewerbungsratgebern, Freunden oder Bekannten. Doch nicht alles, was viele Bewerber für sinnvoll halten, ist es auch tatsächlich. Manche vermeintlich guten Ideen können sogar kontraproduktiv für Ihre Chancen auf eine Einladung zum Bewerbungsgespräch sein. Wir verraten Ihnen, was an den folgenden zwölf weit verbreiteten Bewerbungsmythen wirklich dran ist – und was das für Ihre Bewerbung bedeutet.

1. Ein Deckblatt gehört zu einer professionellen Bewerbung einfach dazu

Das Deckblatt ist in den vergangenen Jahren bei Bewerbungen bedeutsamer geworden. Dass es im Trend liegt, liegt jedoch vor allem daran, dass viele Bewerber es für eine gute Idee halten – oder sogar überzeugt sind, es dürfe bei einer professionellen, modernen Bewerbung nicht fehlen. In Zeiten, in denen das optimale Selbstmarketing als essenzielles Tool für aussichtsreiche Bewerbungen gilt, scheint das Deckblatt sinnvoll. Es fasst wichtige Daten des Bewerbers zusammen und zeigt nicht zuletzt ein großflächiges Foto – und ein gutes Bewerbungsfoto ist den eigenen Chancen bekanntlich zuträglich.

So ganz stimmt diese Haltung nicht. Zwar hängt es letztlich vom jeweiligen Personaler ab, wie er zu einem Deckblatt steht. Es gibt Personalverantwortliche, die diese Extra-Seite durchaus zu schätzen wissen. Viele andere halten davon jedoch wenig. Das liegt daran, dass auf dieser Seite keine neuen Informationen enthalten sind. Die zusätzliche Seite ist aus Sicht vieler Personaler kein Gewinn, sondern macht ihnen mehr Arbeit – was bei Hunderten eingegangenen Bewerbungen mit je einer Extra-Seite durchaus einen Unterschied macht.

Das Deckblatt kommt nicht nur nicht immer gut an, sondern kann sogar negativ aufgefasst werden. Wenn Sie es unbedingt verwenden wollen, sollten Sie sicherstellen, dass es professionell gestaltet ist und einen Mehrwert bietet. Im Zweifelsfall ist es jedoch besser, darauf zu verzichten.

2. Je professioneller das Design, desto besser die Chancen

Wer auffällt und sich von seinen Mitbewerbern abhebt, hat bessere Chancen. Diese Meinung stimmt tendenziell, zumindest dann, wenn der aufmerksame Personaler in Ihrer Bewerbung das findet, wonach er gesucht hat. Längst verwenden viele Bewerber ein mehr oder weniger aufwendiges Design, um einen guten ersten Eindruck zu machen. Die äußere Form Ihrer Bewerbung allein sorgt jedoch nicht dafür, dass man Sie zum Vorstellungsgespräch einlädt.

Ein professionelles Design ist nice to have, aber nicht essenziell. Es reicht auch eine abgespeckte Variante, solange das Design in sich konsistent ist und der Inhalt optimal zur Geltung kommt. Ein aufwendiges Design kann nicht nur nicht über Mängel im Inhalt hinwegtäuschen. Es darf auch nie dazu führen, dass es für den Personalverantwortlichen schwieriger wird, den Inhalt Ihrer Bewerbung zu erfassen.

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Ein dezentes Design, das zu Ihnen, dem Job und der Branche passt, kann Ihren Chancen durchaus zuträglich sein. Überschätzen Sie den Stellenwert jedoch nicht – und vernachlässigen Sie auf keinen Fall den Inhalt.

3. Das Design ist zweitrangig – was zählt, ist der Inhalt

Bei anderen Bewerbern hält sich die umgekehrte Sichtweise: Was bei Bewerbungen zählt, ist allein der Inhalt. Die optische Gestaltung ist völlig zweitrangig und ein reines Instrument für Blender. Auch diese Sichtweise ist gefährlich. Denn wenn Sie vielversprechende Inhalte haben, aber diese lieblos, unstrukturiert und unübersichtlich zu Papier bringen, ist die Gefahr groß, dass der Entscheidungsträger das unattraktive Design als so negativ empfindet, dass er Ihnen mangelndes Bemühen unterstellt.

Wie so oft ist die richtige Mischung gefragt. Achten Sie darauf, Ihre Qualifikationen ansprechend darzulegen und sie durch das gewählte Design optimal zu unterstreichen. Weder sollte der Inhalt zugunsten des Designs vernachlässigt werden noch auf eine passende optische Gestaltung verzichtet werden. Sorgen Sie dafür, dass Ihre Bewerbung gut lesbar und übersichtlich ist.

4. Viele Bewerbungen = viele Einladungen zum Bewerbungsgespräch

Viel hilft viel – das denken sich viele Bewerber, die eher auf Masse denn auf Klasse setzen, wenn es um Bewerbungen geht. Sie schreiben oft Dutzende Bewerbungen und glauben, dass sie sich den Job anschließend dank vieler Einladungen zum Bewerbungsgespräch quasi aussuchen können. Diese Vorgehensweise ist jedoch riskant. Natürlich erhöhen Sie rein rechnerisch tatsächlich Ihre Chancen auf eine positive Rückmeldung, wenn Sie viele Bewerbungen verschicken. Allerdings führt ein solches Vorgehen nicht selten dazu, dass die einzelne Bewerbung vernachlässigt wird.

Wenn Sie in kurzer Zeit viele Bewerbungen verschicken, geben Sie sich womöglich nicht mehr die nötige Mühe. Sie vernachlässigen es womöglich, die einzelne Bewerbung bestmöglich auf den potenziellen Arbeitgeber zuzuschneiden, glaubhaft und passgenau Ihre Eignung darzulegen und plausibel zu begründen, was Sie an einer Mitarbeit im betreffenden Unternehmen reizt. Das sind jedoch wichtige Faktoren, die eine gute Bewerbung ausmachen.

Vielversprechender als eine blinde Bewerbungsflut ist es, wenn Sie sich ganz gezielt Stellen heraussuchen, die Sie wirklich spannend finden. Geben Sie sich für die jeweiligen Bewerbungen viel Mühe und denken Sie dabei immer aus Sicht des betreffenden Unternehmens. Die Chancen, dass Sie eine positive Rückmeldung erhalten, ist dadurch größer als bei massenhaft verschickten, nur marginal individualisierten Bewerbungen.

5. Hobbys im Lebenslauf sind überflüssig

Früher hat man Hobbys standardmäßig im Lebenslauf genannt, inzwischen verzichten viele Bewerber darauf. Überflüssig sind private Interessen im Lebenslauf aus Arbeitgebersicht jedoch nicht unbedingt. Es gilt vielmehr, die damit verbundene Chance optimal zu nutzen.

Wenn Sie zwei, drei 0815-Hobbys nennen, haben Sie damit tatsächlich meist nichts gewonnen. Für den Personaler ist diese Information überflüssig, wenn sie keine Rückschlüsse auf Ihre Eignung für die Stelle zulässt.

Umgekehrt können Sie jedoch Pluspunkte sammeln, wenn Sie sich für (tatsächliche) Hobbys entscheiden, die positiv für den Job ausgelegt werden können. Suchen Sie sich Hobbys heraus, die etwas mit dem Job zu tun haben oder wichtige Soft Skills belegen. Aber Vorsicht: Erfinden Sie keine Hobbys und tun Sie nicht so, als sei Ihnen etwas wichtig, obwohl Sie damit in Wahrheit nicht viel am Hut haben. Im Bewerbungsgespräch kann die Sprache darauf kommen – wenn Ihre Reaktion offenbart, dass es mit dem angeblichen Hobby nicht so weit her ist, wird Ihnen das sehr wahrscheinlich negativ ausgelegt.

6. Das Anschreiben ist das A und O der Bewerbung

Die meiste Zeit verbringen viele Bewerber damit, ein möglichst überzeugendes Anschreiben zu verfassen. Viele Kandidaten zerbrechen sich stundenlang den Kopf über einen spannenden Einstieg, den idealen Mittelteil und einen möglichst runden Schluss – und verlieren sich nicht selten im Kleinklein einzelner Wörter. Keine Frage, das Anschreiben ist wichtig. Es sollte immer lebhaft geschrieben sein und Ihre Fähigkeiten überzeugend darlegen. Allerdings ist es nicht immer so entscheidend, wie Sie vielleicht glauben.

Nur, weil ein Anschreiben toll klingt, heißt das für den Personalverantwortlichen noch lange nicht, dass der Bewerber auch vielversprechend ist. Worte allein machen ihn nicht geeigneter für die Stelle als er tatsächlich ist. Die Aussagekraft vom Bewerbungsschreiben ist damit begrenzt.

Das aus Sicht vieler Personaler wichtigste Dokument einer Bewerbung ist nicht das Anschreiben, sondern der Lebenslauf. Nur, wenn sich hier alle gewünschten Qualifikationen finden, lesen viele Personalverantwortliche überhaupt das Anschreiben. Deshalb sollten Sie sich beim Erstellen des Lebenslaufs mindestens so viel Mühe geben wie beim Bewerbungsschreiben.

7. Muster aus dem Internet sind immer eine gute Vorlage

Das Internet ist voller Vorlagen, die Ihnen zeigen, wie ein Anschreiben aussehen könnte, wie sich der Lebenslauf strukturieren lässt oder wie Sie bestimmte Informationen verpacken könnten. Bewerbungsvorlagen und Muster sind eine gute Sache – wenn man sie richtig zu nutzen weiß. Grundsätzlich sollten Sie bei Mustern aus dem Internet vorsichtig sein – aus zwei Gründen.

Erstens ist nicht jede Vorlage auch tatsächlich ein gutes Beispiel dafür, was Personaler lesen möchten. Zweitens birgt die Verwendung von Mustern die Gefahr, dass diese kaum verändert übernommen werden. Das Ergebnis klingt meist wenig authentisch. Außerdem kann es sein, dass der Personaler erkennt, dass Sie sich stark an einer Vorlage orientiert haben.

Formulieren Sie die Bestandteile Ihrer Bewerbung immer individuell und so, dass Sie sich darin wiederfinden und der mögliche Arbeitgeber bestmöglich angesprochen wird. Scheuen Sie sich nicht davor, eine ungewöhnliche Formulierung zu wählen, wenn das zu Ihnen passt und Sie davon überzeugt sind. Viele Wege führen zum Erfolg – Sie wissen ohnehin nicht, was den Personaler am ehesten anspricht. Bleiben Sie sich treu und sorgen Sie dafür, dass Ihre Bewerbung Ihnen voll und ganz entspricht. Nur dann kann sie überzeugen.

8. Wenn ich nicht alle Voraussetzungen mitbringe, lohnt sich eine Bewerbung nicht

Die Wunschliste des Arbeitgebers ist bei Stellenausschreibungen oft lang. Egal, ob mehrjährige Berufserfahrung, Erfahrungen in einem spezifischen Bereich oder bestimmte Software-Kenntnisse gefordert sind – nur, weil der Arbeitgeber seine Wünsche äußert, heißt das nicht, dass Sie chancenlos sind, wenn Sie sich trotz fehlender Voraussetzungen bewerben.

Oft handelt es sich bei der Liste des Arbeitgebers um die idealen Qualifikationen. In der Realität sind Bewerber aber oft auch dann interessant für das Unternehmen, wenn es ihnen an einer Stelle an formellen Qualifikationen mangelt. Deshalb kann sich eine Bewerbung auch dann lohnen, wenn Sie nicht alle gewünschten Voraussetzungen abhaken können. Natürlich sollten Sie realistisch bleiben. Fehlen Ihnen essenzielle Qualifikationen, ist die mit der Bewerbung verbundene Mühe verschenkte Zeit.

Handelt es sich jedoch um einen Aspekt, der vermutlich eher ein netter Bonus für den Arbeitgeber wäre, ist eine Bewerbung häufig dennoch vielversprechend. Wenn Sie unsicher sind, können Sie auch direkt beim Arbeitgeber nachfragen. So bringen Sie ganz nebenbei auch Ihren Namen ins Gespräch – und können sich im Anschreiben auf den Kontakt berufen.

9. Ein kurzer Lebenslauf ist etwas Negatives

Vor allem jüngere Bewerber mit wenig Berufserfahrung machen sich häufig Sorgen um die Länge ihres Lebenslaufs. Bei einem Berufseinsteiger kann es sein, dass der Lebenslauf nur eine Seite lang ist. Die schiere Länge des Lebenslaufs ist jedoch nicht entscheidend. Ohnehin sollte der Lebenslauf aus Sicht von Personalern möglichst kompakt sein. Viele Lebensläufe sind vollgestopft mit Erfahrungen und Kenntnissen, die für die angestrebte Position nicht sonderlich relevant sind. Das ist aus Sicht vieler Personalverantwortlicher ein Ärgernis, weil es für sie schwerer wird, die wirklich entscheidenden Qualifikationen herauszufiltern.

Ihr Lebenslauf sollte alle wichtigen Informationen enthalten, aber dennoch möglichst kurz sein. Seien Sie kritisch und nehmen Sie jeweils nur das auf, was für einen spezifischen Arbeitgeber interessant ist. Nur, wenn Sie sonst größere Lücken im Lebenslauf hätten, können Sie auch weniger relevante Erfahrungen – etwa Jobs in einer anderen Branche – anführen.

10. Bessere Chancen dank niedriger Gehaltsvorstellungen

Sie wollen den Job unbedingt – und möchten sich mit einer zu hohen Gehaltsvorstellung nicht selbst im Weg stehen. Indem Sie zu wenig Geld fordern, tun Sie sich jedoch nur vermeintlich einen Gefallen. Wenn Sie Ihren Wert zu niedrig bemessen, erhalten Sie nicht nur ganz ohne Not weniger Lohn für Ihre Arbeit. Sie können auch für Skepsis bei den Entscheidungsträgern sorgen.

Der Wunsch vieler Arbeitgeber nach der Angabe von Gehaltsvorstellungen hat nicht nur den Sinn, abzuklopfen, ob man sich in finanzieller Hinsicht einig werden könnte. Es geht auch darum, inwiefern ein Bewerber seinen Wert realistisch einschätzen kann. Wer sich unter Wert verkauft, wirkt wenig selbstbewusst und von sich überzeugt. Dieser Rückschluss ist Ihren Chancen wenig zuträglich, weil man davon ausgehen könnte, dass Sie auch im Arbeitsalltag zu zurückhaltend sind.

Zu viel angeben sollten Sie auf der anderen Seite natürlich auch nicht. Mit etwas Recherche im Internet finden Sie eine angemessene Summe. Notfalls können Sie auch eine Spanne angeben. Denken Sie immer daran: Die Gehaltsvorstellungen sind ohnehin nur eine Verhandlungsbasis.

11. Nur mit möglichst selbstbewusstem Auftreten kommt man weiter

Die Bezeichnung Bewerbung sagt es schon: Bei einer Bewerbung geht es darum, sich selbst und seine Kenntnisse zu bewerben. Vielen Bewerbern fällt es schwer, ein sinnbildliches Loblied auf sich selbst zu singen. Andere haben die Botschaften diverser Bewerbungsratgeber längst verinnerlicht und loben sich vollmundig in den höchsten Tönen. Das kann jedoch ebenso negativ ankommen wie ein zu schüchterner Auftritt.

Zu große Bescheidenheit und übertriebene Selbstdarstellung sind zwei Seiten einer Medaille. Beides sind Extreme, die Sie vermeiden sollten, wenn Sie Ihre Chancen nicht schmälern möchten. Personaler sind auch nur Menschen, denen ein Bewerber sympathischer ist als ein anderer. Wenn Sie sich als den perfekten Bewerber darstellen, der besser ist als alle anderen, ist das nicht nur unglaubwürdig, sondern kann auf persönlicher Ebene abstoßend wirken. Gefragt ist vielmehr die goldene Mitte: Legen Sie Ihr Können und Ihre Erfolge selbstbewusst, aber sachlich dar.

12. Im Bewerbungsgespräch so elegant wie möglich kleiden

Für Bewerber ist es immer wieder eine knifflige Frage: Welche Kleidung soll ich zum Bewerbungsgespräch anziehen? Die Antwort vieler Bewerbungsratgeber lautet: besser overdressed als underdressed. So zugespitzt mag das tatsächlich stimmen. Und in vielen Bereichen liegen Sie mit einem sehr eleganten, seriösen Business-Outfit tatsächlich richtig.

In anderen Bereichen ist der Dresscode jedoch weniger strikt, etwa bei Start-Ups, in kreativen Berufen oder im Handwerk. Erscheinen Sie zum Bewerbungsgespräch in einer Tischlerei mit einem Kostüm oder Anzug, können Sie damit durchaus negativ auffallen. Sie müssen ins Team passen, und wenn Ihr Auftritt vermuten lässt, dass das nicht der Fall sein könnte, ist das ein Nachteil.

Passen Sie Ihr Outfit immer so gut wie möglich an die Situation an. Wie kleiden sich die anderen Mitarbeiter? Wie ist der Dresscode in der Branche? Und, nicht zuletzt: Worin fühlen Sie sich wohl und was passt zu Ihnen? Wenn Sie sich verkleidet fühlen, sind Sie dadurch im Bewerbungsgespräch womöglich gehemmt.

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