Optimismus: Positiv denken lernen

Optimismus: Positiv denken lernen

Gehören Sie zu den Menschen, bei denen das Glas stets halbvoll ist? Wenn Sie diesen Text lesen, sehen Sie das Glas wahrscheinlich eher als halbleer, was darauf schließen lässt, dass Sie ein Pessimist sind. Das muss nicht so bleiben: Jeder kann lernen, optimistischer zu denken. Warum es so vorteilhaft ist, mit Optimismus an das Leben heranzugehen, und wie Sie es lernen können – hier erfahren Sie mehr. 

Eine Frau hält die Daumen hoch, was ist Optimismus?

Optimismus: Was bedeutet optimistisch?

Jeder kennt die Begriffe Optimist und Pessimist. Aber was ist ein Optimist eigentlich genau? Was ist Optimismus? Optimismus ist eine grundlegende Sichtweise, eine positive und zuversichtliche innere Einstellung und Haltung. Der Duden definiert Optimismus als „Lebensauffassung, die alles von der besten Seite betrachtet; heitere, zuversichtliche, lebensbejahende Grundhaltung“. Eine weitere Definition des Dudens: „zuversichtliche, durch positive Erwartung bestimmte Haltung angesichts einer Sache, hinsichtlich der Zukunft“.

Optimismus ist verbunden mit dem Glauben, dass man (zumindest ein Stück weit) selbst in der Hand hat, wie es einem geht und was einem widerfährt. Optimistische Menschen glauben, dass sie viele Dinge erreichen können, wenn sie danach streben. Sie sehen sich also als aktiv und fähig. Demgegenüber neigen pessimistische Menschen dazu, sich als hilflos, ohnmächtig und unfähig zu sehen. Sie haben typischerweise das Gefühl, dass ihnen Sachen widerfahren, auf die sie keinen Einfluss haben.

Warum positives Denken vorteilhaft ist

Es mag zwar manchmal unerheblich sein, ob jemand ein Optimist oder Pessimist ist – in manchen Situationen ist das Ergebnis dasselbe, egal, ob die betreffende Person optimistisch oder pessimistisch an die Sache herangegangen ist. Trotzdem kann man argumentieren, dass der Optimist die bessere Erfahrung hat: Läuft es gut, hat er sich im Vorfeld nicht mit Zweifeln und Sorgen gequält, die seinen Körper völlig unnötig in Stress versetzt haben. Läuft es schlecht, hat er sich den Stress im Vorfeld ebenfalls gespart. Mit dem suboptimalen Ergebnis muss er zwar leben, aber er musste nicht schon in der Zeit davor unter seiner negativen Sichtweise leiden.

Wie man die Dinge betrachtet, hat oft unmittelbare Auswirkungen darauf, wie sich eine Sache entwickelt. Anders gesagt: Wer optimistisch denkt, kann damit das Ergebnis beeinflussen. Ebenso kann man sich ein negatives Ergebnis herbeireden. Das soll nicht heißen, dass jedes Erlebnis von den Gefühlen und Denkweisen der Person abhängt, die es erlebt. Man kann aber durchaus durch die eigene Grundhaltung beeinflussen, wie etwas läuft. Ein Beispiel: Wenn jemand gar nicht daran glaubt, dass es ihm gelingen kann, als Musiker erfolgreich zu sein, dann wird er wahrscheinlich auch nicht all seine Energie in sein Vorhaben stecken. Dadurch klappt es wahrscheinlich tatsächlich nicht – mit einer anderen Herangehensweise hätte hingegen mehr möglich sein können.

Optimisten sind die glücklicheren Menschen

Optimisten sind häufig glücklicher und zufriedener als Pessimisten. Das ist positiv für die Gesundheit: Nicht nur, dass Stress – und dazu gehören auch negative Gedanken – krank macht. Eine optimistische Grundhaltung hilft auch, schwierige Phasen zu überstehen und eine Krankheit zu überwinden. Dadurch leben Optimisten oftmals länger.

Optimisten können Krisen besser widerstehen und sind resilienter. Weil sie sich mehr zutrauen und häufig mehr Risiken eingehen, die sich lohnen können, erreichen sie oft mehr. Das beschert ihnen tendenziell mehr Erfolge im Privatleben und dem Beruf. Nicht zuletzt können Optimisten auch bessere Beziehungen haben. Sie fokussieren sich weniger stark auf das Negative bei anderen und neigen weniger dazu, andere Menschen als Konkurrenten zu sehen. Außerdem färbt ihre optimistische Grundhaltung auf andere ab: Positive Menschen ziehen andere oft automatisch an.

Was entscheidet darüber, ob jemand ein Optimist oder Pessimist ist?

Vielleicht glauben Sie, dass es eine Frage der Persönlichkeit und der Gene ist, ob jemand ein Optimist oder Pessimist ist. Tatsächlich sieht die Wissenschaft das anders: Optimismus (oder Pessimismus) ist demnach kein untrennbarer Teil des Charakters oder eine angeborene Eigenschaft. Die jeweilige Grundhaltung spiegelt vielmehr das Weltbild wider, das man sich im Laufe seines Lebens angeeignet hat.

Auf dieses Weltbild wirken sich vor allem zwei Dinge aus: eigene Erfahrungen und das, was wichtige Bezugspersonen vorgelebt haben. Es macht einen Unterschied, wie viele positive und negative Erfahrungen jemand in seinem Leben gemacht hat. Wenn bestimmte Dinge immer oder sehr häufig gut liefen, wird jemand sich eher eine optimistische Haltung aneignen (und auch deshalb womöglich weitere positive Erlebnisse produzieren). Lief es hingegen oft schlecht und sind Vorhaben gescheitert, wird jemand eher zum Pessimisten.

Entscheidend ist auch, was Eltern, Geschwister, Großeltern, enge Freunde, Partner oder andere wichtige Menschen vorgelebt haben. Ihre innere Grundhaltung hat einen großen Einfluss auf die Denkweisen einer Person, und das von der Kindheit an. War jemand eher von positiven Menschen umgeben, wird er eher zu einem Optimisten heranwachsen als jemand, dessen Bezugspersonen Pessimisten waren. Die jeweilige Lebensauffassung ist oft entsprechend tief verwurzelt.

Wichtig ist dabei, zu wissen, dass es keine bewusste Entscheidung ist, ob man bestimmte Aspekte eher positiv oder negativ einschätzt. Die entsprechenden Prozesse im Gehirn laufen in Sekundenschnelle automatisch ab.

Anzeichen: Wie sieht gesunder Optimismus aus?

Woran kann man erkennen, dass jemand ein Optimist ist? Ein optimistischer Mensch hat eine positive Grundhaltung und einen zuversichtlichen Blick auf die Zukunft – allgemein oder bezogen auf bestimmte Entwicklungen. Diese Zuversicht ist immer wieder bemerkbar durch Äußerungen oder das Verhalten der Person.

Ein optimistischer Mensch glaubt an sich. Er ist sich seiner Fähigkeiten bewusst und weiß, dass er zu vielem fähig ist. Dabei bleiben Optimisten realistisch, wenn sie sich Ziele setzen – jedenfalls, wenn es sich um gesunden Optimismus handelt. Erleben sie einen Rückschlag, lassen sie sich davon nicht entmutigen. Sie blicken nach vorne und sich zuversichtlich, dass es beim nächsten Anlauf – vielleicht mit einer etwas anderen Herangehensweise – klappt. Wenn sie auf frühere Erlebnisse und Entwicklungen zurückblicken, sehen Optimisten eher das Positive als das Negative, auch wenn negative Aspekte nicht völlig ausgeblendet werden.

Optimisten nehmen Dinge häufig weniger schnell persönlich. Ein Beispiel: Ein Arbeitskollege, mit dem sich Person X eigentlich gut versteht, bringt plötzlich einen blöden Kommentar. Ein Pessimist könnte daraufhin glauben, es läge an ihm („Mag der Kollege mich plötzlich nicht mehr? Habe ich etwas falsch gemacht?“). Ein Optimist würde hingegen eher annehmen, dass der Kollege einfach einen schlechten Tag hat, und dessen Verhalten nicht auf sich beziehen.

Gibt es auch schädlichen Optimismus?

Ist Optimismus immer etwas Positives? In den meisten Fällen ja. Selbst wenn etwas nicht so gut läuft wie gedacht oder erhofft, war die betreffende Person wenigstens nicht schon vorher schlecht gelaunt, weil sie die negative Entwicklung schon erwartet hat. Allerdings gibt es auch Grenzen: In manchen Fällen kann ein überzogener Optimismus sogar schädlich sein. Das ist dann der Fall, wenn der Optimist in seiner Grundhaltung und den daraus resultierenden Handlungen die Realität ausblendet.

Das kann zum Beispiel so sein, wenn jemand immer wieder etwas versucht, was nicht funktioniert. Der Versuch allein schadet ihm womöglich schon, aber in Erwartung eines positiven Ergebnisses macht er stoisch weiter. Dann kann die Hoffnung auf eine gute Entwicklung mehr schaden als nützen. Ein Beispiel aus dem Privatleben: Stellen wir uns vor, jemand steckt in einer unglücklichen Beziehung. Er ist schon lange nicht mehr zufrieden, hofft aber weiterhin darauf, dass sein Partner sich ändert. Das passiert allerdings nicht – und trotzdem trennt sich die Person nicht. Das Verharren in einer Beziehung, die nicht zufriedenstellend ist, macht nicht glücklich.

Oder stellen wir uns vor, jemand hofft im Job schon lange auf eine Beförderung. Immer wieder geht er leer aus, glaubt aber auch immer wieder, beim nächsten Mal werde es schon klappen – obwohl alle Zeichen dagegensprechen. Statt sich anderswo nach einem neuen Job umzusehen, wo er mehr erreichen könnte, bleibt er bei seinem Arbeitgeber. Das kann dazu führen, dass die erhoffte berufliche Entwicklung nie eintritt.

Bei negativen Entwicklungen mag es kurzfristig hilfreich sein, eine optimistische Grundhaltung zu haben – man steckt den Kopf dann nicht in den Sand, sondern blickt nach vorne. Langfristig kann überzogener Optimismus allerdings schaden, wenn er zu Handlungen führt, die der betroffenen Person nicht nützen. Deshalb ist es bei allem Optimismus wichtig, die Lage möglichst realistisch und objektiv einzuschätzen.

Positives Denken lernen: Tipps, um eine positive Einstellung zu lernen

Dass es sich bei Optimismus nicht um eine angeborene Eigenschaft handelt, hat Vorteile – es bedeutet, dass jeder positives Denken lernen kann. Jeder Mensch hat letztlich die Wahl, wie er die Welt und sein Leben betrachtet und mit welcher Haltung er an bestimmte Dinge herangeht. Vielleicht fragen Sie sich jetzt: Aber wie werde ich positiver? Die folgenden Ansätze und Tipps können Ihnen helfen, positiv denken zu lernen.

Gute Entwicklungen vor Augen führen

Blicken Sie auf das zurück, was Sie in Ihrem Leben erreicht haben: Ganz bestimmt sind darunter sehr viele gute Dinge. Vergegenwärtigen Sie sich, was für Sie in der Vergangenheit gut gelaufen ist und was aktuell gut läuft. So können Sie den Blick für die positiven Aspekte in Ihrem Leben schärfen und dadurch ganz automatisch eine optimistischere Einstellung entwickeln.

Entwickeln Sie Dankbarkeit

Ebenso hilft es, jeden Abend aufzuschreiben, welche schönen Erlebnisse Sie an dem Tag hatten und wofür Sie in Ihrem Leben dankbar sind. Das müssen keine großen Dinge sein, sondern es können auch vermeintliche Kleinigkeiten sein – zum Beispiel ein freundlicher Gruß von Passanten beim Spazierengehen, ein wohltuender Tee oder ein schöner Sonnenaufgang.

Wann waren Sie pessimistisch – und was ist daraus geworden?

Versuchen Sie sich, daran zu erinnern, an welche Situationen Sie pessimistisch herangegangen sind. Haben sich Ihre Sorgen bewahrheitet? Oder ist es vielleicht so manches Mal besser gelaufen, als Sie gedacht hatten? Zu sehen, dass vieles nicht so schlimm war wie befürchtet, hilft Ihnen, positiver zu denken.

Sehen Sie sich in einer aktiven Rolle

Machen Sie sich klar, dass Sie in fast allen Situationen des Lebens eine gewisse Kontrolle darüber haben, wie die Dinge laufen. Sie sind kein Opfer der Umstände – irgendetwas kann man fast immer ändern. Diese Erkenntnis ist ein wichtiger Grundstein, um positives Denken zu lernen.

Selbstvertrauen gewinnen

Pessimismus hängt oft mit einem geringen Selbstwertgefühl zusammen. Deshalb ist es wichtig, dass Sie mehr Selbstvertrauen gewinnen. Machen Sie sich Ihre Stärken bewusst, um zu erkennen, dass Ihnen viele Dinge gelingen können. Fokussieren Sie sich nicht auf Ihre Schwächen. Die hat jeder Mensch, sie sollten aber nicht im Vordergrund stehen. 

Pessimistische Gedanken bemerken

Jeder Mensch hat jeden Tag unzählige Gedanken, die ihm durch den Kopf gehen – manche davon positiv, andere negativ. Oft sind wir uns unserer Gedanken gar nicht bewusst. Das sollten Sie ändern, indem Sie sich in Achtsamkeit üben. Dabei ist Achtsamkeitsmeditation hilfreich. Mit etwas Übung lernen Sie, negative und pessimistische Gedanken klarer zu erkennen – und entscheiden dann bewusster, wie Sie damit umgehen.

Aus Rückschlägen lernen

Niemand wünscht sich negative Erfahrungen, aber sie können hilfreicher sein, als vielen Menschen bewusst ist. Wenn etwas nicht so gelaufen ist wie erhofft, können Sie daraus lernen. Inwieweit können Sie Ihre Herangehensweise verändern? Was können Sie künftig anders machen, um erfolgreicher zu sein? Sich das klar zu machen hilft Ihnen, positiv zu denken.

Wie optimistisch sind Ihre Freunde?

Achten Sie darauf, mit wem Sie sich umgeben. Wenn Sie ständig nur mit Pessimisten zu tun haben, ist es wesentlich schwerer, positiv zu denken. Wenn es pessimistische Menschen gibt, mit denen Sie den Kontakt nicht beenden können oder wollen, ist es wichtig, dass Sie sich ausreichend vor deren negativen Gedanken schützen, um die Negativität nicht ungewollt zu übernehmen.

Positive Gespräche führen

Eng daran geknüpft ist der nächste Tipp: Fokussieren Sie sich in Gesprächen mit anderen auf positive Dinge. Es ist zwar verständlich, dass man sich hin und wieder über etwas beklagen oder aussprechen möchte. Das lenkt den Blick aber unweigerlich auf das Negative, weshalb es besser ist, solchen Dingen nicht zu viel Raum zu geben. 

Wie wahrscheinlich ist ein negativer Ausgang?

Versuchen Sie, realistisch zu denken: Wie wahrscheinlich ist es, dass eine Entwicklung einen negativen Verlauf nimmt? Viele Pessimisten nehmen automatisch eine negative Grundhaltung ein, ohne je zu hinterfragen, wie begründet das im Einzelfall tatsächlich ist. 

Das Gesetz der Anziehung

Haben Sie schon mal vom Gesetz der Anziehung gehört? Dahinter steckt eine Philosophie, die davon ausgeht, dass positive Gedanken zu positiven Ergebnissen führen. Umgekehrt führen demnach negative Gedanken zu negativen Ergebnissen. Das Gesetz der Anziehung geht davon aus, dass Gedanken Energien erzeugen und diese Energien positive oder negative Entwicklungen anziehen. Dieser Gedanke kann helfen, sich auf die positiven Dinge zu fokussieren.

Visualisierung

Ein weiterer Ansatz, positiver zu denken, besteht in der Visualisierung. Dabei handelt es sich um eine Technik, die dabei helfen kann, Ziele zu erreichen. Sie stellen sich dabei möglichst genau über innere Bilder Ihren Erfolg vor. Das kann motivierend wirken und hilft, Stress und Ängste zu reduzieren. Sie können darüber ganz bewusst trainieren, positiv zu denken.

Positive Glaubenssätze

Ähnlich gelagert wie die Technik der Visualisierung sind positive Glaubenssätze, auch bekannt als Affirmationen. Mit Affirmationen wird dem oft unbewusst stattfindenden negativen Denken bewusst etwas entgegengesetzt. Welche positiven Glaubenssätze geeignet sind, hängt von Ihren Zielen ab – und davon, womit Sie sich wohlfühlen und was zu Ihnen passt. Ein Beispiel: Sie nehmen sich ein berufliches Ziel vor. Statt an sich zu zweifeln, können Sie sich zum Beispiel Sätze sagen wie: „Ich schaffe das“, „Ich besitze alle Fähigkeiten, die ich brauche, um X zu erreichen“, „Ich bin fähig und kompetent“ oder auch „Ich bin qualifiziert und habe alles, was ich brauche, um erfolgreich zu sein“. 

Bildnachweis: Mix and Match Studio / Shutterstock.com

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