Chronologischer oder antichronologischer Lebenslauf?

Ein Personaler entscheidet meist innerhalb weniger Minuten, ob sich ein Kandidat für die ausgeschriebene Stelle eignet. Das Hauptkriterium für die erste Beurteilung ist dabei vielfach der Lebenslauf des Bewerbers. Eine kurze, prüfende Sichtung befördert die Unterlagen entweder in die nähere Auswahl oder führt unversehens zur Absage.

Antichronologischer Lebenslauf

Vorlage / Muster: Antichronologischer Lebenslauf mit gegenchronologischer Reihenfolge

Die persönliche Vita muss daher in Form und Inhalt so aufbereitet werden, dass sie auf den ersten Blick verfängt. Ein ansprechendes Layout und eine adäquate Wortwahl überzeugen. Damit die für den Job relevanten Informationen unmittelbar hervorstechen, ist bei der Erstellung des Lebenslaufs zudem auf eine zielführende Struktur zu achten. Grundlegend gilt: Das Wichtigste steht möglichst weit oben.

In den meisten Fällen werden die Daten tabellarisch dargestellt. Die Stationen der Ausbildung und des beruflichen Werdegangs können jedoch nicht beliebig sortiert werden, sondern sind entweder chronologisch oder antichronologisch zu ordnen. Beide Strategien werden akzeptiert, bergen allerdings verschiedene Vor- und Nachteile. Welche Variante sich eignet, ist von der persönlichen Situation des Bewerbers abhängig. Mitunter wird in Stellenausschreibungen auch vorgegeben, in welcher Form der Lebenslauf zu präsentieren ist.

Chronologischer Lebenslauf

In einem chronologischen oder deutschen Lebenslauf basiert die Reihenfolge der Stationen auf dem tatsächlichen zeitlichen Verlauf. Die älteste Information steht damit ganz oben, die aktuellste befindet sich am Ende der Tabelle.

Diese Darstellung war in Deutschland noch bis vor einigen Jahren üblich, wurde mittlerweile jedoch fast vollständig durch die antichronologische Variante ersetzt. Der Grund hierfür ist naheliegend: Der Personaler interessiert sich in erster Linie für die momentane Situation des Bewerbers und seine Erfahrungen der letzten Jahre. Stehen diese Daten nicht an vorderster Position, müssen sie zunächst gesucht und ausfindig gemacht werden, was bei der Prüfung der Unterlagen zusätzliche Zeit in Anspruch nimmt. Besonders bei Personen mit langer Berufserfahrung und einer entsprechend umfangreichen Vita ist die chronologische Sortierung daher meist völlig ungeeignet.

Dennoch hat diese Variante nach wie vor ihre Berechtigung: Bei Bewerbern mit einer vergleichsweise kurzen Berufsbiografie lassen sich die Stationen in zwei bis vier Anstrichen relativ leicht überblicken. Die gewählte Reihenfolge ist somit eher nebensächlich, da alle Informationen auf kleiner Fläche ersichtlich sind. Schüler/innen, Student/innen und Berufseinsteiger/innen, deren Lebenslauf nur wenige Punkte umfasst, können daher unbedenklich auch auf diese Struktur zurückgreifen.

Für Berufserfahrene mit einem längeren Werdegang hat die chronologische Darstellung dann Charme, wenn der Lebenslauf ältere Stationen aufweist, die für die Stellenausschreibung relevant sind. Dies kann zum Beispiel der Fall sein, wenn der Bewerber in einem weit zurückliegenden Zeitraum Erfahrungen in einem bestimmten Bereich gesammelt hat, zwischendurch anderen Tätigkeiten nachgegangen ist, und nun wieder in den ursprünglichen Bereich zurückkehren möchte. Befinden sich die für die ausgeschriebene Stelle wichtigen Aspekte also überwiegend am Beginn einer Erwerbsbiografie, kann ein chronologischer Lebenslauf durchaus förderlich sein.

Antichronologischer Lebenslauf

In einem antichronologischen oder amerikanischen Lebenslauf werden die Stationen zeitlich absteigend dargestellt. Die aktuellste Information steht damit ganz oben, die älteste befindet sich am Ende der Tabelle. Anders formuliert: Die Daten werden in zeitlich umgekehrter Reihenfolge angegeben.

Diese Struktur ist die gebräuchlichste Variante, da sie dem Personaler unmittelbar Auskunft über die zuletzt ausgeübten Aktivitäten des Kandidaten gibt. In den meisten Fällen sind diese Informationen gleichzeitig auch die relevantesten für die ausgeschriebene Stelle, da Bewerber überwiegend nach neuen Tätigkeiten suchen, die ihren jüngsten Erfahrungen entsprechen. Bei einer Person, die sich beispielsweise um eine Position in einer Marketingabteilung bewirbt und in den letzten zehn Jahren hauptsächlich in der Werbebranche tätig war, sind zurückliegende Praktika oder Nebenjobs in anderen Feldern kaum entscheidend.

Unwichtige Informationen stehen in einem antichronologischen Lebenslauf damit zumeist automatisch weiter unten. Vorsicht ist hingegen im umgekehrten Fall geboten: Wenn der Bewerber sich als Quereinsteiger in eine neue Branche wagt und an zurückliegende Erfahrungen anknüpfen möchte, empfiehlt sich eventuell die chronologische Ordnung.
Darüber hinaus kann eine antichronologische Darstellung bei kurzen Lebensläufen und sehr wenigen Stichpunkten formal eher negativ auffallen und verwirrend wirken. Berufseinsteiger/innen sollten daher zunächst beide Varianten prüfen.

Fazit: Welche chronologische Reihenfolge soll ich in meinem Lebenslauf verwenden?

Grundlegend sollte die Struktur des Lebenslaufs derart gewählt werden, dass die wichtigsten Details ganz oben stehen. Die antichronologische Darstellung ist die gebräuchlichere Reihenfolge und insbesondere bei längeren Erwerbsbiografien zu bevorzugen – die momentane Situation des Bewerbers und seine letzten Stationen werden damit für den Personaler schnell greifbar. Die chronologische Sortierung ist für Berufseinsteiger/innen mit vergleichsweise wenig Eckpunkten möglich. Weiterhin ist diese Darstellung interessant, wenn sich die für die Stellenausschreibung relevanten Daten überwiegend am Beginn einer Biografie finden.