Bewerbung für ein Volontariat: Darauf kommt es an

Angehende Journalisten lernen das Handwerk bei einem Volontariat. Die Plätze sind jedoch begrenzt – in manchen Fällen haben Sie Hunderte Mitbewerber. Um ein Volontariat zu ergattern, muss Ihre Bewerbung überzeugen. Dabei spielen vor allem bisherige journalistische Erfahrungen eine entscheidende Rolle. In unserem Ratgeber erfahren Sie, worauf es bei Ihrer Bewerbung als Volontär ankommt.

Internationale Tageszeitungen in einem Verkaufsgitter

Das Volontariat als Einstieg in den Journalismus

Es gibt viele Wege in den Journalismus. Manche Redakteure sind Quereinsteiger, die durch journalistische Erfahrung und Talent punkten, aber keine formale journalistische Ausbildung vorweisen konnten. Andere haben Journalismus an einer Hochschule studiert oder an einer der renommierten Journalistenschulen gelernt. Die wenigen Plätze von Journalistenschulen wie der Deutschen Journalistenschule oder der Henri-Nannen-Schule sind jedoch so umkämpft, dass sich nur ein Bruchteil der Bewerber durchsetzen kann.

Aussichtsreicher ist der aus Sicht vieler Journalisten klassische Weg in den Journalismus: ein Volontariat. Die meisten Publikationen bieten jedes Jahr Volontärsstellen an. Je nach Größe des Mediums werden meist ein bis zwei, manchmal auch mehr Volontäre eingestellt. Im Verlauf der meist zweijährigen Ausbildung lernen Sie das journalistische Handwerk als Volontär Schritt für Schritt kennen. Sie lernen dabei nicht nur verschiedene Textgattungen kennen und feilen an Ihrer „Schreibe“, sondern erhalten auch Einblicke in die verschiedenen Ressorts. In Kursen oder bei externen Praktika können Sie Ihr Wissen vertiefen und Ihre Fähigkeiten verbessern.

Nach einem Volontariat stehen die Chancen, übernommen zu werden, oft sehr gut. Kein Wunder: Die Auswahl möglicher Volontäre ist meist streng, und wer sich gegen zig Mitbewerber durchgesetzt hat, wird mit viel Mühe ausgebildet. Viele Zeitungen und andere Medien haben den Anspruch, gute Volontäre langfristig an sich zu binden. Doch selbst, wenn es mit der Übernahme nach dem Volontariat nicht klappt, stehen die Chancen mit einem abgeschlossenen Volontariat gut, anderswo Fuß zu fassen.

Wovon Ihre Chancen auf ein Volontariat abhängen

In Deutschland gibt es etwa 3000 Volontärsplätze – knapp die Hälfte hiervor bei Tageszeitungen. Ein Volontariat im Journalismus können Sie auch bei einer Zeitschrift, bei Rundfunkanstalten und im Hörfunk oder bei einem Anzeigenblatt machen. Auch Nachrichtenagenturen wie die dpa bieten Volontärsstellen an, allerdings haben sie einen geringen Anteil an den gesamten Volontärsplätzen.

Die Anforderungen an den künftigen Volontär sind bei vielen Medien hoch. Gerade überregionale Tages- und Wochenzeitungen sowie die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten können sich die Crème de la Crème der Bewerber aussuchen. Die Mindest-Anforderung an einen angehenden Volontär sind meist Abitur oder einschlägige Berufserfahrung. Oft wird auch ein Studienabschluss gerne gesehen. Das Fach ist dabei tendenziell zweitrangig; viele Journalisten haben jedoch ein geistes- oder sozialwissenschaftliches Studium absolviert.

Vorerfahrungen im Journalismus sind ein essenzielles Kriterium bei der Besetzung von Volontärsplätzen. Wenn Sie nicht bereits Praktika gemacht und als freier Mitarbeiter gearbeitet haben, haben Sie bei vielen Publikationen keine Chance. Viele Publikationen bevorzugen frühere Praktikanten oder freie Mitarbeiter aus dem eigenen Haus, wenn ein Volontariat vergeben wird.

Neben Ihrer Vorerfahrung hängen Ihre Chancen auf ein Volontariat von Ihrem journalistischen Können und Talent ab. Wie gut Ihre Arbeitsproben sind, entscheidet ebenfalls maßgeblich darüber, ob Sie als Volontär in Betracht kommen.

Ein Volontariat finden: Tipps zum Vorgehen

Die meisten Publikationen bieten ein Volontariat an. Prinzipiell können Sie sich also bei vielen unterschiedlichen Zeitungen und Zeitschriften nach einer Volontärsstelle umsehen. Ganz grundlegend sollten Sie sich im Vorfeld entscheiden, ob es Sie eher zu den Printmedien, dem Hörfunk oder dem Rundfunk zieht.

Die Suche nach einem Volontariat sollten Sie möglichst frühzeitig beginnen. Die meisten Publikationen haben jährliche Fristen, nach deren Ablauf keine Bewerbung mehr möglich ist. Gleichzeitig zieht sich der Auswahlprozess oft über mehrere Wochen oder gar Monate hin. Wenn Sie zu lange warten, bis Sie sich für ein Volontariat im Journalismus bewerben, haben Sie womöglich das Nachsehen.

Gehen Sie bei Bewerbungen für ein Volontariat realistisch vor. Namhafte Publikationen sind auch bei anderen begehrt; hier haben Sie ohne einschlägige Vorerfahrungen, das entsprechende Talent und persönliche Beziehungen oft kaum eine Chance. Das bedeutet nicht, dass Sie sich lieber gar nicht erst bewerben sollten – allerdings sind Sie gut beraten, Ihre Bewerbungen für ein Volontariat möglichst breit zu streuen und nicht alles auf eine Karte zu setzen. Bei kleineren Tageszeitungen stehen die Chancen häufig deutlich besser, zum Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden.

Falls Sie noch etwas Zeit vor dem Beginn eines möglichen Volontariats haben und es Ihnen an Vorerfahrung mangelt, nutzen Sie die Zeit, indem Sie ein Praktikum machen oder als freier Mitarbeiter arbeiten. Das kommt Ihnen bei Ihrer Bewerbung als Volontär gleich doppelt zugute – durch die Erfahrung an sich, die Ihren Lebenslauf schmückt, und die zugehörigen Praktikumszeugnisse oder Referenzen.

Der Auswahlprozess bei der Besetzung von Volontärsstellen

Viele Publikationen betreiben einen großen Aufwand, um einen neuen Volontär zu finden. Die Auswahlverfahren können sich dabei je nach Publikation stark voneinander unterscheiden. In aller Regel werden Volontärsstellen einmal pro Jahr ausgeschrieben. Gerade bei großen Verlagen ist der Auswahlprozess für die Besetzung einer Volontärsstelle häufig sehr umfangreich. Viele Verlage setzen auf Testverfahren, um den Nachwuchs auf die Probe zu stellen. Das kann bedeuten, dass Sie eine Aufgabe bearbeiten müssen – meist, indem Sie einen journalistischen Text erstellen. Auch Assessment Center sind nicht unüblich.

Bei kleineren Publikationen setzt man häufig ausschließlich auf die Bewerbungsunterlagen und Bewerbungsgespräche, um einen passenden Volontär zu finden. Auch hier gibt es oft mehrere Auswahlrunden, zum Beispiel ein Telefon-Interview und zwei Bewerbungsgespräche. Mehrere Bewerbungsgespräche finden meist zumindest teilweise mit denselben Ansprechpartnern statt. Führende Entscheidungsträger wie der Chefredakteur sind dann nur bei dem letzten Gespräch dabei, wenn es nur noch eine Handvoll Bewerber zu begutachten gibt.

Volontariat Journalismus: Wie Sie mit Ihrer Bewerbung überzeugen

Eine Bewerbung für ein Volontariat sollte immer vollständig sein. Das bedeutet, dass mindestens Anschreiben, Lebenslauf, Zeugnisse und Arbeitsproben enthalten sein sollten. Noch mehr als sonst ist darüber hinaus entscheidend, wie gut Ihre Bewerbung formuliert ist – Bestandteile wie Ihr Anschreiben sind schließlich auch eine Art Arbeitsprobe und zumindest ein Hinweis darauf, wie gut Sie sich ausdrücken können.

Das Anschreiben für ein Volontariat

Was zeichnet Sie aus? Warum bewerben Sie sich ausgerechnet bei dieser Publikation für ein Volontariat? Und warum ist es aus Sicht des Verlags vielversprechend, Sie kennenzulernen? Diese Fragen sollten in Ihrem Bewerbungsschreiben beantwortet werden. Bringen Sie Ihre Eignung, aber auch Ihre Motivation auf den Punkt, und zwar auf höchstens einer Seite. Hierbei geht es nicht darum, den Lebenslauf in Form eines Fließtexts zu bringen, sondern die wichtigsten Aspekte herauszupicken und daraus Rückschlüsse zu ziehen. Auch Soft Skills sind wichtig. Sie sollten immer mit Beispielen belegt werden, damit sie nachvollziehbar sind.

Ganz besonders sollten Sie sich beim Einstieg in das Anschreiben Mühe geben. Wer den ersten Absatz langweilig beginnt, riskiert, dass der Text gar nicht weitergelesen wird. Ein gutes Anschreiben hat einen klaren roten Faden und zieht eine Verbindung von den bisherigen Erfahrungen zur angestrebten Stelle, in diesem Fall also dem Volontariat im Journalismus. Gleichzeitig sollten Sie sich selbstbewusst geben, ohne überheblich aufzutreten.

Der Lebenslauf: Mit Vorerfahrung überzeugen

Was Sie bisher gemacht haben – und vor allem, was Sie bisher journalistisch gemacht haben –, ist bei einem Volontariat entscheidend. Gestalten Sie Ihren Lebenslauf professionell und übersichtlich. Enthalten sein sollten nur Erfahrungen, die relevant für das angestrebte Volontariat sind – nicht unbedingt nur inhaltlich, sondern auch wegen der Soft Skills, die sie widerspiegeln. Eine ehrenamtliche Tätigkeit kann ebenso interessant für einen Verlag sein wie ein Hobby, das auf bestimmte Stärken oder Kenntnisse hindeutet.

Besonders wichtig sind bisherige praktische Erfahrungen im Journalismus. Erwähnen Sie unbedingt bisherige Praktika und, falls vorhanden, Tätigkeiten als freier Mitarbeiter. Auch die Mitarbeit bei einer Schülerzeitung kann erwähnt werden – vor allem, wenn es Ihnen ansonsten an journalistischer Vorerfahrung mangelt. Wenn Sie einen eigenen Blog betreiben oder einen YouTube-Kanal haben, ist das ebenfalls von Interesse und darf im Lebenslauf nicht fehlen. Dasselbe gilt für Auslandsaufenthalte. Diese müssen nichts mit Journalismus zu tun haben, weil sie ein Hinweis auf Ihre geistige Reife, Ihre Eigenverantwortlichkeit und Offenheit, aber auch auf Ihre Anpassungsfähigkeit sind. Solche Eigenschaften kommen Ihnen auch als Volontär zugute.

Es ist sinnvoll, ein professionelles Bewerbungsfoto zu nutzen. Verpflichtend ist das nicht, es wird aber gerne gesehen und kann Ihre Chancen steigern.

Diese Anhänge sind wichtig bei einer Bewerbung für ein Volontariat

Viele Bewerber schicken bei einer Bewerbung alles mit, was ihnen auch nur ansatzweise wichtig erscheint. Das ist jedoch nicht sinnvoll, denn dann wird Ihre Bewerbung unnötig in die Länge gezogen und macht dem Entscheidungsträger mehr Arbeit. Suchen Sie deshalb nur die Zeugnisse und anderen Nachweise heraus, die wirklich relevant sind.

In jedem Fall sind das Zeugnisse aus Ihrem Bildungsweg. Beschränken Sie sich dabei auf das Abschlusszeugnis aus Ihrem Studium, falls Sie studiert haben, und das höchste Schulzeugnis. Mindestens ebenso wichtig sind Praktikumszeugnisse oder Referenzschreiben. So können Sie Praktika und andere journalistische Erfahrungen nicht nur belegen, sondern auch zeigen, dass man mit Ihnen zufrieden war.

Falls Sie als freier Mitarbeiter bei einer Zeitung tätig waren oder sind, haben Sie zwar keinen Anspruch auf ein Arbeitszeugnis. Stattdessen können Sie jedoch um eine Referenz bitten. Die ist freiwillig, ähnelt ansonsten aber in Aufbau und Inhalt einem Arbeitszeugnis. Eine Referenz ist als ausdrückliche Empfehlung zu verstehen und kann Ihnen deshalb bei einer Bewerbung für ein Volontariat sehr nützlich sein.

Arbeitsproben sinnvoll auswählen

Arbeitsproben sind bei einer Bewerbung für ein Volontariat im Journalismus fast immer gefragt. Schicken Sie also welche mit, auch wenn es nicht explizit in der Stellenausschreibung erwähnt wird. Beschränken Sie sich dabei auf einige wenige Arbeitsproben, die Sie umso kritischer auswählen sollten. Talent ist ein entscheidender Faktor bei der Auswahl eines Volontärs – ein einziger schlechter Text kann Ihnen im Zweifelsfall das Genick brechen.

Nutzen Sie in Ihrer Bewerbung Ihre besten Texte, aber achten Sie auch darauf, um welche Textgattungen und Themen es sich dabei handelt. Wenn Sie sich für ein Volontariat bei einer wissenschaftlichen Publikation bewerben, wählen Sie entsprechend Artikel aus, die Sie in diesem Bereich schon geschrieben haben. Darüber hinaus sollten Sie versuchen, zu zeigen, welches Spektrum Sie abdecken können. Nicht nur spannende Reportagen sind dafür geeignet, sondern auch vermeintliche Standardthemen, die Sie besonders interessant oder ungewöhnlich umgesetzt haben. Auch damit können Sie sich von Ihren Mitbewerbern abheben.

Bildnachweis: imageportal / shutterstock.com

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