Ausführlicher Lebenslauf – Tipps für den Lebenslauf in Aufsatzform

Ein tabellarischer Lebenslauf ist Standard, aber manchmal wird auch ein ausführlicher Lebenslauf gefordert. Was genau das bedeutet und was beim Verfassen wichtig ist, erklärt dieser Beitrag.

Ein ausführlicher Lebenslauf? Damit können wohl die wenigsten Bewerber im Detail etwas anfangen. Dabei hat ein ausführlicher Lebenslauf zwar denselben Inhalt, aber eine ganz andere Form als der typische Lebenslauf in tabellarischer Form. Diese Variante, die auch ausformulierter Lebenslauf genannt wird, meint einen Lebenslauf als Fließtext. Der Bewerber gibt seinen beruflichen Werdegang also in Aufsatzform wieder.

Der ausführliche Lebenslauf: Nur selten gefordert

Der tabellarische Lebenslauf, bei dem berufliche Stationen und weitere Qualifikationen in Stichpunkten und Bulletpoints aufgelistet werden, hat sich in Deutschland ebenso wie in anderen Ländern längst durchgesetzt. Seltener sieht sich ein Bewerber hingegen damit konfrontiert, einen ausführlichen Lebenslauf verfassen zu müssen. In manchen Stellenausschreibungen wird dies explizit gefordert – etwa für Einstellungsverfahren bei der Polizei, der Bundeswehr oder in der Justiz. Auch Stiftungen verlangen zur Entscheidung über die Vergabe von Stipendien häufig einen Lebenslauf in Fließtext-Form.

Die meisten Bewerber haben zwar einen mehr oder weniger aktuellen Lebenslauf auf dem Computer vorliegen. Die wenigsten haben jedoch schon einmal einen ausformulierten Lebenslauf verfasst. Inhaltlich entspricht dieser zwar der tabellarischen Alternative, dennoch gibt es zusätzlich einige Dinge zu beachten.

Unterschiede zum tabellarischen Lebenslauf

Einer der wichtigsten Unterschiede zwischen ausführlichem und tabellarischem Lebenslauf besteht in der Art der Erwähnung der Tätigkeiten. Beim tabellarischen Lebenslauf ist eine anti-chronologische Aufzählung längst üblich. Das bedeutet, dass die jüngsten Stationen des Lebenslaufs an oberster Stelle genannt werden, weil sie meist eine größere Bedeutung haben. Danach folgen zeitlich absteigend die weiteren Erfahrungen und Qualifikationen.

Bei einem Lebenslauf in Aufsatz-Form würde eine anti-chronologische Form jedoch dazu führen, dass der Text sich wenig flüssig – und inhaltlich schlüssig – lesen würde. Deshalb ist es bei dieser Variante üblich, chronologisch vorzugehen.

Dabei bleibt der grundlegende Aufbau des Dokuments gleich – zumindest, was die elementaren Bestandteile angeht. Das bedeutet, dass zunächst Angaben zur Person genannt werden. Danach folgen der Bildungsweg und berufliche Erfahrungen. Während im tabellarischen Lebenslauf zuerst der Berufsweg nachgezeichnet wird, verhält es sich beim ausführlichen Lebenslauf aufgrund der chronologischen Erwähnung umgekehrt.

Nach dem Hauptteil werden zudem wie im klassischen Lebenslauf auch Hobbys und weitere Fähigkeiten und Kenntnisse geschildert. Wie beim tabellarischen Lebenslauf sollte auch der ausführliche Lebenslauf, versehen mit Ort und Datum, handschriftlich unterschrieben werden.

Ein Foto des Bewerbers ist, wie beim regulären Lebenslauf, optional. Auch wenn es keine Pflicht ist, kann es die Chancen des Bewerbers verbessern. Deshalb ist ein Bewerbungsbild unbedingt empfehlenswert. Statt im Lebenslauf kann das Foto auch auf einem optionalen Deckblatt untergebracht werden.

Der ausführliche Lebenslauf kann mit einem Titel versehen werden, was jedoch ebenfalls nicht zwingend ist. Für den Fall, dass ein Titel gewählt wird, reicht meist die Überschrift „Lebenslauf“.

Darauf kommt es beim Verfassen eines ausführlichen Lebenslaufs an

Arbeitgeber – oder Stiftungen, die Stipendien vergeben – fordern meist dann einen ausformulierten Lebenslauf, wenn sie sich darüber ein besseres Bild von dem Bewerber verschaffen möchten. Bei einem Lebenslauf in Fließtext-Form ist ersichtlich, wie gut der Bewerber Rechtschreibung und Grammatik beherrscht und ob er in der Lage ist, flüssig zu formulieren. Auch, ob der Bewerber Texte sinnvoll strukturieren kann, fällt bei der Lektüre eines ausführlichen Lebenslaufs auf.

Noch wichtiger ist allerdings die persönliche Komponente beim ausführlichen Lebenslauf. Während ein tabellarischer Lebenslauf sachlich und neutral ist, bleibt bei einem ausführlichen Lebenslauf etwas mehr Gestaltungsspielraum, einen etwas anschaulicheren Eindruck zu hinterlassen. Hier gibt es zudem weniger (ungeschriebene) formelle Regeln, die beim Verfassen beachtet werden müssen.

Wichtig ist jedoch, trotz allem sachlich zu bleiben. Der Lebenslauf darf nicht zu einer Art zusätzlichem Bewerbungsanschreiben geraten. Deshalb gilt: Die Motivation des Bewerbers wird im Anschreiben begründet. Dort ist der richtige Platz, um auf die eigenen Stärken einzugehen und zu begründen, warum die Tätigkeit bei einem bestimmten Arbeitgeber so reizvoll für den Bewerber ist. Im Lebenslauf geht es darum, fachliche Qualifikationen darzulegen.

Den eigenen Berufsweg als Abfolge von logischen Stationen darstellen

Die Kunst beim Verfassen eines ausführlichen Lebenslaufs besteht darin, den eigenen (beruflichen) Lebensweg als logische Abfolge von Stationen auf dem Weg zu einem bestimmten Ziel darzustellen. Wem dies gelingt, der suggeriert, dass die angestrebte Stelle der folgerichtige nächste Schritt auf der Karriereleiter ist. Es sollte sich also ein gedanklicher roter Faden durch den ausführlichen Lebenslauf ziehen.

Im Gegensatz zum nüchternen tabellarischen Lebenslauf hat der Bewerber bei einem ausführlichen Lebenslauf die Möglichkeit, Stationen des eigenen Werdegangs ein Stück weit zu kommentieren und getroffene Entscheidungen zu erklären. Diese Chance sollte unbedingt genutzt werden, damit der ausführliche Lebenslauf einen Mehrwert hat.

So kann der Bewerber etwa erklären, warum er einen Jobwechsel vollzogen hat – zum Beispiel, weil ihn ein bestimmter Aspekt bei der darauffolgenden Stelle gereizt hat, der bei seiner damaligen Position nicht (ausreichend) Teil seiner Tätigkeit war. Auch die Entscheidung, ein bestimmtes Studium aufzunehmen oder eine Ausbildung zu beginnen, kann auf diese Weise in einem ausführlichen Lebenslauf erläutert werden.

Einen tabellarischen Lebenslauf als Vorlage nehmen

Einen ausführlichen Lebenslauf zu schreiben ist am einfachsten, wenn ein aktueller tabellarischer Lebenslauf vorliegt. Und selbst wenn nicht, macht es Sinn, zuerst einen solchen stichpunktartigen Lebenslauf zu erstellen. Dieser kann beim Verfassen des ausformulierten Lebenslaufs als Vorlage dienen. So ist immer klar, welche Bestandteile der ausführliche Lebenslauf haben muss. Falls etwas vergessen wurde, fällt dies eher auf.

Bei der Nennung der persönlichen Daten und Kontaktdetails sollten, wie beim tabellarischen Lebenslauf, alle relevanten Aspekte genannt werden. Dies sind der Name des Bewerbers, seine Anschrift und telefonische Kontaktmöglichkeiten sowie eine E-Mail-Adresse. Auch das Geburtsdatum und der Geburtsort sollten hier erwähnt werden. Optional können auch die Staatsangehörigkeit und der Familienstand genannt werden.

Der ausführliche Lebenslauf wird dabei in der Ich-Perspektive geschrieben, etwa so: „Mein Name ist XY, ich bin am XX.XX.XXXX in XX geboren und lebe heute in XX. Telefonisch bin ich am besten mobil unter der Rufnummer XX erreichbar. Sie erreichen mich außerdem per Mail an XX.“

In diesem Stil können dann der Bildungsweg und die beruflichen Erfahrungen dargelegt werden. Ähnlich wie bei einem tabellarischen Lebenslauf kann der Bewerber hier kurz auf prägende Tätigkeiten von beruflichen Stationen eingehen – natürlich immer zugeschnitten auf die antizipierten Erwartungen des möglichen künftigen Arbeitgebers. Auch berufliche Erfolge sollten genannt werden.

Auch weitere Fähigkeiten wie Sprachkenntnisse, Fortbildungen oder EDV-Kenntnisse werden im ausführlichen Lebenslauf beschrieben. Ehrenämter oder Hobbys gehören ebenfalls in diese Variante des Lebenslaufs – besonders dann, wenn sie relevant für den angestrebten Job sind.

Wie beim regulären Lebenslauf sollte der Bewerber darauf achten, sich in seinem Lebenslauf als idealen Bewerber für die offene Stelle zu präsentieren. Deshalb macht es Sinn, für jede neue Bewerbung auch den eigenen Lebenslauf zu verändern – ganz egal, ob in tabellarischer oder ausführlicher Form. Die Voraussetzungen des Arbeitgebers an den Bewerber, die aus der Stellenausschreibung hervorgehen, können so gezielt aufgegriffen werden.

Zum Schluss ist es sinnvoll, im ausführlichen Lebenslauf einen kurzen Ausblick auf den angestrebten nächsten beruflichen Schritt zu geben. Danach folgen Ort, Datum und Unterschrift. Dies ist keine Pflicht, hinterlässt jedoch einen professionellen Eindruck beim möglichen Arbeitgeber.

Ähnlich wie beim tabellarischen Lebenslauf sollte ein ausführlicher Lebenslauf einen gewissen Rahmen nicht sprengen. Zwei Seiten gelten als Grenze, es sei denn, es gibt einen guten Grund, noch etwas mehr zu schreiben. Der ausführliche Lebenslauf sollte so lang wie nötig, aber so kurz wie möglich sein.

Für Übersichtlichkeit sorgen

Wer einen ausführlichen Lebenslauf verfasst, sollte darauf achten, dass die Übersichtlichkeit unter der Fließtext-Variante nicht allzu sehr leidet. Ein Grund, warum Personalverantwortliche in aller Regel einen tabellarischen Lebenslauf vorziehen, ist, dass hier in aller Kürze schnell ersichtlich ist, welche Qualifikationen ein Bewerber mitbringt. Es dauert wesentlich länger, diese Informationen aus einem ausführlichen Lebenslauf herauszulesen.

Für den Bewerber besteht die Herausforderung deshalb darin, trotz des Fließtextes dafür zu sorgen, dass dem möglichen Arbeitgeber relevante Aspekte schnell ins Auge springen. Dabei helfen Absätze und aussagekräftige Zwischenüberschriften. Besonders wichtige Punkte können zudem gezielt gefettet werden.

Ausführlicher Lebenslauf – Ja oder Nein?

Ein ausführlicher Lebenslauf ist nur dann angebracht, wenn er ausdrücklich vom möglichen Arbeitgeber oder der Stiftung gefordert wird. Wer ohne eine solche Aufforderung statt eines tabellarischen Lebenslaufs einen Lebenslauf als Fließtext erstellt, riskiert, beim Arbeitgeber ohne Not einen negativen Eindruck zu hinterlassen. Der Adressat der Bewerbung ärgert sich möglicherweise über die unübliche Form des Lebenslaufs – und darüber, dass es ihn mehr Zeit und Mühe kostet, die beruflichen Stationen des Bewerbers nachzuvollziehen.

In manchen Fällen wird zudem gefordert, dass der ausführliche Lebenslauf handschriftlich verfasst ist. Auch diese Variante sollte nur dann gewählt werden, wenn dies explizit erwünscht ist. Oft ist hiermit die Hoffnung von Seiten des Arbeitgebers verbunden, über die Handschrift Rückschlüsse auf die Persönlichkeit des Bewerbers ziehen zu können. Dies ist jedoch nur bedingt aussagekräftig und entsprechend selten.