Authentizität: So können Sie sie nutzen

Menschen, die authentisch wirken, sind zuverlässiger und glaubwürdiger – zumindest schreiben wir ihnen das zu. Das Problem: Diese Authentizität kann auch nur vorgespielt sein. Wer echte Authentizität erkennen möchte, kann dazu vier Kriterien anwenden, die zwei Psychologen entwickelt haben. Welche das sind und wie Sie Ihre eigene Authentizität trainieren können, lesen Sie hier.

Eine Frau sieht sich im Spiegel an und beweist Authentizität

Authentizität: Gibt es sie überhaupt?

Bevor wir klären, ob es Authentizität überhaupt gibt, sollten wir uns dem Begriff etwas nähern. Als authentisch versteht man gemeinhin eine Person, die sich selbst treu ist und sich von äußeren Einflüssen wenig bis gar nicht beeindrucken lässt.

Synonyme zu den Begriffen Authentizität und authentisch sind:

  • unverfälscht
  • zuverlässig
  • glaubwürdig
  • echt
  • den Tatsachen entsprechend
  • ein Original

Stellt sich die Frage, ob es überhaupt Menschen geben kann, die sich nicht von anderen Menschen beeinflussen zu lassen. Vermutlich nicht. Schließlich ist der Mensch ein soziales Wesen, das von anderen und damit durch seine Erziehung oder Sozialisation geprägt wird.

Das bedeutet jedoch nicht, dass wir keinen inneren Kompass besitzen, der uns bei Entscheidungen den Weg weist und uns zu unseren eigenen, authentischen Entschlüssen führt.

Wenn wir Authentizität sagen, sollten wir daher immer die Umwelt und die jeweilige Lebenswirklichkeit bedenken. Ein weiterer Faktor darf nicht vergessen werden: In unterschiedlichen Situationen verhalten wir uns mehr oder weniger authentisch. Um es zu veranschaulichen: Im Jahresgespräch oder einem anderen Gespräch mit dem Vorgesetzten können wir meist nicht so handeln, wie wir uns beispielsweise unseren Freunden gegenüber verhalten würden. Und auch Kunden gegenüber sprechen und verhalten wir uns anders als mit unseren Kollegen in der Mittagspause. Wobei sich auch bei den Kollegen die Frage stellt, wie authentisch wir ihnen gegenüber sein können.

Kurzum, unser Verhalten ist in den meisten Situationen eher eine Mischung aus Authentizität und der Rolle, die wir in der jeweiligen Situation annehmen. Wir sind auch als Arbeitnehmer bis zu einem gewissen Grad wir selbst, müssen jedoch die professionellen Gepflogenheiten und Umgangsformen beachten.

4 Kriterien der Authentizität: Bin ich authentisch?

Gemeinhin geht man von vier Kriterien aus, um Authentizität zu beschreiben. Das geschieht im Rückgriff auf eine Studie der beiden US-amerikanischen Psychologen Michael Kernis und Brian Goldmann:

  1. Bewusstsein: Damit meinen die Psychologen, dass wir uns unserer Motive und Handlungen bewusst sein müssen. Wir sollten also wissen, warum wir beispielsweise auf die Frage nach mehr Gehalt so reagieren, wie wir reagieren. Nur wenn wir unser eigenes Handeln reflektieren, können wir unsere Authentizität bewusst erleben. Selbstreflexion ist der erste Schritt, um ungünstiges Verhalten zu ändern. Eine Kunst, die gerade für das berufliche Vorankommen wichtig ist. Mitarbeiter, die sich schnell den Erwartungen ihrer Vorgesetzten anpassen können, sind in der Regel erfolgreicher.
  2. Konsequenz: Viele Menschen setzen Authentizität mit einem starken Charakter gleich. Personen, die die eigenen Prioritäten immer im Blick haben und danach handeln, werden häufig als besonders authentisch wahrgenommen. Besonders dann, wenn sie sogar Nachteile in Kauf nehmen, weil sie an ihren Werten und Vorstellungen festhalten.
  3. Ehrlichkeit: Wer authentisch, also glaubwürdig und unverfälscht wirken möchte, muss zu seinem Verhalten stehen. Und zwar auch dann, wenn das eigene Verhalten uns nicht unbedingt im besten Licht erscheinen lässt. Authentizität bedeutet aber eben genau das: Einzugestehen, dass wir einen Fehler gemacht haben und ihn nicht zu verstecken. Personen werden als authentischer wahrgenommen, wenn sie auch zu ihren schlechten Eigenschaften stehen.
  4. Aufrichtigkeit: Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit hängen eng zusammen und verstärken die Authentizität. Mit Ehrlichkeit allein ist es nämlich noch nicht unbedingt getan. In vielen Fällen gehört eine aufrichtige Entschuldigung für schlechtes Verhalten ebenso dazu.

Wird Authentizität überschätzt?

Die Vermutung, dass Authentizität benutzt wird, um Produkte oder Marken zu verkaufen, liegt nahe – man denke nur an die zahlreichen Influencer in den sozialen Medien. Was tatsächlich dahinter steckt, erfahren wir nur in den seltensten Fällen.

Genau das gilt auch für eine andere Berufsgruppe: Trainer und Coaches. Unter Umständen gehört die gefälschte Authentizität einfach zu ihrem Geschäftsmodell und sie haben gelernt, die entsprechenden Faktoren richtig einzusetzen. Gleichzeitig wird wohl niemand bestreiten, dass authentisch wirkende Menschen sehr sympathisch sein können. Dem beruflichen und sonstigen Erfolg wird diese Eigenschaft also nicht schaden.

Authentisch bleiben: Wie geht das?

Stellt sich die Frage, wie man authentisch bleiben oder gar mehr Authentizität entwickeln kann. Dafür gibt es einige Strategien, die von verschiedenen Experten empfohlen werden:

  1. Selbstbeobachtung: Wer mehr Authentizität entwickeln möchte, muss sich zunächst einmal selbst kennenlernen. Dazu sollten Sie Ihr Verhalten einige Tage so genau wie möglich betrachten. Wenn es hilft, können Sie sich dabei auch ein paar Notizen machen. Folgende Fragen helfen Ihnen dabei: Wie verhalten Sie sich im Kollegenkreis und wie unter Freunden? Wann fühlen Sie sich wohler? Wann lösen gewisse Verhaltensweisen besonders viel Stress bei Ihnen aus?
  2. Übung: Personen, die den größten Teil des Tages nicht sie selbst sein können, haben es in Bezug auf Authentizität schwer. Fangen Sie langsam an, sich auch bei fremden Personen und in ungewohnten Situationen so zu verhalten, wie Sie es gerade möchten. Das müssen Sie nicht direkt am Arbeitsplatz trainieren. Starten Sie zum Beispiel beim Einkaufen oder wenn Sie zum ersten Mal in einem neuen Restaurant sind.
  3. Selbstliebe: Authentisch sind Personen, die sich selbst so akzeptieren, wie sie sind. Sie haben nämlich nicht das Gefühl, sich bei anderen verstellen und eine Rolle spielen zu müssen. Wer sich selbst akzeptiert, kann auch seine Schwächen besser annehmen. Das wiederum wird als Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit wahrgenommen – ein wichtiges Kriterium für Authentizität.

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