Vorsicht Job-Scamming: Wie Sie betrügerische Angebote erkennen
Ein Job, der zu gut klingt, um wahr zu sein? Ein Arbeitgeber, der Ihre Ausweiskopien sehen möchte, bevor Sie überhaupt ein Bewerbungsgespräch hatten? Ein Ansprechpartner, der Geld von Ihnen fordert – für Training oder Sicherheitsabfragen? Wem solche Dinge bei der Jobsuche begegnen, der sollte hellhörig werden. Es könnte sich um Job-Scamming handeln. Doch was ist Job-Scamming, welche Warnzeichen gibt es und was können Scamming-Opfer tun? Das erfahren Sie hier.

Was ist Job-Scamming?
Fälle von Job-Scamming haben in den vergangenen Jahren nicht nur in Ländern wie den USA, sondern auch in Europa und Deutschland zugenommen. Was verbirgt sich dahinter? Ein „scam“ ist ein Betrug – bei Job-Scam handelt es sich somit um einen Jobbetrug. Gemeint ist eine Betrugsmasche, bei der eine Jobausschreibung vorgetäuscht wird. Wer in die Falle tappt, wird meist um persönliche Informationen oder Geld erleichtert.
Job-Scams können verschiedene Formen annehmen. Gängig sind insbesondere diese Varianten:
- Es gibt die Stelle gar nicht: Job-Scammer können Stellen ausschreiben, die es gar nicht gibt. Solche Stellenausschreibungen klingen aus Sicht von Jobsuchenden meist sehr attraktiv. Die Inserate werden insbesondere über soziale Medien, per E-Mail oder auch durch Anrufe verbreitet. Den Betrügern geht es darum, sensible Daten wie Kontodaten oder Sozialversicherungsnummern abzugreifen.
- Es handelt sich um Phishing-Angriffe: In diesem Fall besteht das Ziel der Betrüger ebenfalls darin, persönliche Daten zu klauen, etwa in Form des Ausweises. Diese Daten nutzen sie anschließend zum Beispiel für illegale Machenschaften oder Identitätsdiebstahl.
- Es geht um Geld: Im Zuge einer Bewerbung können Job-Scammer von Bewerbern verlangen, dass sie bestimmte Summen vorauszahlen – zum Beispiel für ein vermeintliches Jobtraining oder die Bewerbung an sich.
- In einem Bewerbungsgespräch werden sensible Daten ausfindig gemacht: Manchmal laden Kriminelle Jobsuchende sogar zu vermeintlichen Bewerbungsgesprächen ein. In Wahrheit geht es nicht um einen Job, sondern darum, an sensible Informationen zu gelangen
Durch die Omnipräsenz von Online-Angeboten – auch bei der Jobsuche – hat Job-Scamming in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen. Für Betrüger ist es leichter als je zuvor, gefälschte Stellenanzeigen zu verbreiten und Jobsuchende hinters Licht zu führen. Besonders häufig werden Menschen zum Opfer von Job-Scams, die sich mit der Jobsuche nicht auskennen, die mit Online-Bewerbungen nicht vertraut sind oder die besonders dringend einen neuen Job brauchen – und deshalb eher gewillt sind, über Warnzeichen hinwegzusehen.
Anzeichen: Woran Sie Job-Scamming erkennen können
Job-Scams sind oft nicht auf den ersten Blick als solche zu erkennen. Viele Betrüger gehen sehr geschickt vor, sodass selbst Menschen auf die Masche hereinfallen können, die nicht naiv sind. Dennoch: Es gibt einige Anzeichen, anhand denen Sie Job-Scams enttarnen können. Auf diese Warnhinweise sollten Sie achten.
Das Angebot scheint zu gut, um wahr zu sein
Wenn ein Job richtig, richtig gut klingt, kann dahinter ein Jobbetrug stecken. Vielleicht verspricht die Stellenanzeige eine Top-Bezahlung, obwohl kaum Qualifikationen gefordert sind. Oder es werden anderweitig Versprechungen gemacht, die für die Art von Job unrealistisch sind.
Die Ansprechpartner machen Druck
Betrüger haben keine Lust, sich lange um ihre Opfer zu bemühen – sie wollen maximale Ergebnisse bei minimalem Aufwand. Deshalb setzen sie Jobsuchende typischerweise unter Druck, schnell zu reagieren. Dazu kann es gehören, in höchsten Tönen von dem Job zu schwärmen, der dann etwa als „einmalige Gelegenheit“ oder „echter Traumjob“ angepriesen wird.
Die Kommunikation wirkt unseriös
Achten Sie darauf, wie E-Mails oder Nachrichten des vermeintlichen Arbeitgebers klingen. Hinterlassen sie einen unprofessionellen Eindruck, könnte es sich um Job-Scamming handeln. Ein Warnhinweis sind auch E-Mail-Adressen bei privaten Anbietern (etwa Gmail, Gmx, Web.de) und Rechtschreibfehler in E-Mails und Nachrichten.
Sie werden zu Zahlungen aufgefordert
Sie sollen Geld zahlen, noch bevor Sie ein Bewerbungsgespräch hatten? Das ist höchst unseriös und eines der untrüglichsten Zeichen für einen Jobbetrug.
Sie werden dazu aufgefordert, private Informationen preiszugeben
Jemand hat ungewöhnliche Fragen an Sie, die auf sensible persönliche Daten abzielen, oder möchte ihren Ausweis sehen? Vorsicht – auch das kann auf einen Job-Scam hindeuten.
Sie wissen nicht, worum es eigentlich geht
Typisch für Job-Scamming sind vage Jobbeschreibungen, bei denen offenbleibt, worum es konkret geht und welche Qualifikationen im Detail gefragt sind.
Sie wissen nicht, mit wem Sie es eigentlich zu tun haben
Wenn Ihnen unklar ist, wer hinter der Stellenanzeige steckt, könnte es sich um Job-Scamming handeln.
Es gibt kein richtiges Bewerbungsgespräch
Vielleicht wird gar kein Vorstellungsgespräch geplant oder es findet ein eher unkonventionelles „Bewerbungsgespräch“ über WhatsApp oder einen anderen Chat statt. Auch das deutet auf Job-Scamming hin.
Das Unternehmen hat keine Webseite
Sie googeln das vermeintliche Unternehmen, finden aber keine Internetseite? Das ist ein deutliches Warnzeichen. Zwar gibt es kleine Firmen, die keine Online-Präsenz haben – sie sind aber eindeutig in der Minderheit. Zusammen mit anderen Hinweisen auf Job-Scamming sollten Sie auch bei diesem Anzeichen sehr vorsichtig sein.
So gehen Betrüger bei Job-Scams vor
Betrüger, die Job-Scamming betreiben, gehen dabei oft sehr geschickt vor. Dadurch ist es in vielen Fällen nicht leicht, den Job-Scam als solchen zu bemerken. Um nicht zum Scamming-Opfer zu werden, hilft es, sich typische Vorgehensweisen von Betrügern vor Augen zu führen.
Der Ablauf beim Job-Scamming ist häufig so, dass die Betrüger zunächst Kontakt mit potenziellen Opfern aufnehmen. Sie verschicken E-Mails oder Nachrichten oder rufen direkt an. Dabei geben sie sich als Arbeitgeber aus, der eine Stelle zu besetzen hat – und bieten den Betroffenen diesen Job an. Die Tätigkeit wird in ein sehr positives Licht gerückt und in einer Art und Weise beschrieben, die den Job sehr attraktiv auf Bewerber wirken lässt. Auffällig häufig wird die Kombination aus einem guten Gehalt und geringen Anforderungen beschrieben.
Auch hinter Stellenanzeigen in kostenlosen Wochenzeitungen, auf Kleinanzeigenportalen oder auf Plattformen wie LinkedIn oder Facebook können sich Job-Scams verbergen. Auffällig an solchen Stellenausschreibungen ist, dass keine Details zur Tätigkeit angegeben werden. Stattdessen werden die Verdienstmöglichkeiten oder die leichten Arbeiten angepriesen. Als Kontakt wird niemand namentlich genannt, stattdessen geben die Betrüger eine Handynummer oder E-Mail-Adresse bei privaten Portalen wie Gmail, Web.de oder Gmx.de an.
Beispiele für den typischen Wortlaut einer Job-Scamming-Stellenanzeige
Entsprechende Stellenanzeigen könnten beispielsweise solche Formulierungen enthalten:
- „Verdiene von zu Hause bis zu 2.000 Euro im Monat! Keine Vorerfahrung nötig.“
- „Mit einfachen Tätigkeiten 500 Euro wöchentlich verdienen – melde dich jetzt!“
- „Fähige Mitarbeiter für spannende Tätigkeiten mit Top-Bezahlung gesucht.“
- „Sofort Geld verdienen ohne Risiko“
Wenn ein potenzielles Job-Scamming-Opfer Interesse zeigt, wird es meist rasch zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen. Typisch dabei ist, dass das Interview nur an der Oberfläche kratzt – Detailfragen werden üblicherweise nicht gestellt. Auf das Bewerbungsgespräch folgt oft schnell ein Jobangebot. Damit kann die Aufforderung verbunden sein, vor dem Antritt des vermeintlichen neuen Jobs für ein Training, Materialien oder die Bearbeitung der eigenen Unterlagen zu bezahlen. Kommt das Opfer dem nach, hört es meist nie wieder von dem vermeintlichen Arbeitgeber – der Job-Scam war erfolgreich.
Wie Sie sich vor Job-Scamming schützen können
Job-Scams sind oft gut gemacht. Auch wer wenig gutgläubig ist, kann darauf hereinfallen. Es gibt jedoch einige Dinge, die Sie tun können, um nicht zum Scamming-Opfer zu werden. Es fängt bei der Stellenanzeige an, die Sie genau prüfen sollten. Achten Sie auf alle Details: Wer steckt hinter der Anzeige? Gibt es das Unternehmen wirklich? Wird überhaupt ein Arbeitgeber genannt? Recherchieren Sie im Internet – wenn Sie nichts herausfinden, ist Vorsicht geboten. Es kann auch sinnvoll sein, bei dem Unternehmen anzurufen und sich nach der Person zu erkundigen, die Sie kontaktiert hat.
Aufschlussreich ist auch, wie detailliert die Stellenausschreibung ist. Bleiben die Informationen oberflächlich und allgemein, deutet das eher auf Job-Scamming hin, als wenn konkrete Tätigkeiten und Anforderungen genannt werden. Apropos Anforderungen: Wenn keine nennenswerten Qualifikationen gefordert werden und scheinbar alle Bewerber willkommen sind, kann das auf Job-Scamming hindeuten. Auch wenn unrealistisch hohe Gehälter in Aussicht gestellt werden, sollten Sie misstrauisch werden.
Sensible persönliche Daten, nach denen Sie möglicherweise gefragt werden, sollten Sie nicht ohne Weiteres übermitteln. Das betrifft insbesondere Ausweiskopien. Geben Sie Ihre Bankverbindung nicht an, teilen Sie keine Kreditkarteninformationen oder Ihre Sozialversicherungsnummer – vor allem nicht, bevor Sie einen Arbeitsvertrag unterschrieben haben.
Nicht einlassen sollten Sie sich außerdem darauf, an Video-Ident-Verfahren teilzunehmen – das könnte zum Beispiel für die Eröffnung eines Kontos missbraucht werden. Zahlen Sie nie im Voraus Geld für die Bewerbung, Schulungen, Materialien oder Hintergrundprüfungen. Allgemein gilt: Ein seriöser Arbeitgeber wird von Ihnen kein Geld verlangen, wenn Sie sich bei ihm bewerben.
Achten Sie auf verdächtige Details in der Stellenanzeige oder dem Kontakt mit einem vermeintlichen Arbeitgeber, um sich vor Job-Scamming zu schützen. Rechtschreibfehler sind ein Warnzeichen, genau wie der Druck, schnell zu handeln. Links sollten Sie möglichst nicht direkt anklicken, sondern sie manuell in den Browser eingeben. Wenn Sie mit der Maus über den Link fahren, wird Ihnen dort außerdem angezeigt, wohin Sie weitergeleitet werden sollen. Generell empfiehlt es sich, für die Jobsuche bekannte Portale wie Xing, StepStone oder LinkedIn zu nutzen, auch wenn Ihnen Job-Scamming auch dort begegnen kann. Es ist aber unwahrscheinlicher als auf Kleinanzeigen-Seiten oder in WhatsApp- und Telegram-Gruppen.
Ist das ein Job-Scam? Was Sie in Verdachtsfällen tun können
Sie lesen eine Stellenanzeige oder sind schon mitten im Bewerbungsprozess und Sie beschleicht das Gefühl, dass es sich um Job-Scamming handeln könnte? In diesem Fall fragen Sie sich wahrscheinlich, was Sie in so einer Situation können und sollten. Das hängt davon ab, was passiert ist und wie weit die Sache ging. Nehmen wir an, Sie haben lediglich eine verdächtige Stellenanzeige entdeckt. Dann könnten Sie diese dem Portal melden, auf dem sie veröffentlicht wurde. Es kann auch sinnvoll sein, einen Screenshot davon zu machen und mögliche Nachrichten und Jobangebote per E-Mail aus dem Spam-Ordner zu sichern.
Brechen Sie den Kontakt mit möglichen Betrügern so schnell es geht ab. Antworten Sie nicht mehr auf Nachrichten oder E-Mails und gehen Sie nicht ans Telefon, wenn man Sie anruft. Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen, persönliche Informationen herauszugeben oder an Ident-Verfahren teilzunehmen.
Im nächsten Schritt ist es sinnvoll, möglichst viel über diejenigen herauszufinden, die hinter dem vermeintlichen Stellenangebot stecken. Vielleicht finden Sie gar nichts oder nur wenige, unvollständige Informationen. Viele negative Bewertungen sind nicht der einzige Warnhinweis – auch ausschließlich positive Bewertungen sollten Sie misstrauisch werden lassen. Sie können gefälscht sein. Eine weitere Option: Sie können Handy- oder andere Telefonnummern googeln. Möglicherweise finden Sie darüber Hinweise auf Job-Scamming.
Warnen Sie andere vor der Betrugsmasche
Wenn Sie nicht sicher sind, ob es sich um Job-Scamming handelt, verlangen Sie vom mutmaßlichen Arbeitgeber mehr Details – zum Beispiel zur Tätigkeit und den Aufgaben, aber auch zum Unternehmen und den nächsten Schritten im Bewerbungsprozess. An der Reaktion Ihres Ansprechpartners können Sie häufig erkennen, ob der „Arbeitgeber“ seriös ist oder nicht.
Vielleicht haben Sie schon persönliche Informationen weitergegeben oder Geld gezahlt. Sie sind ein Scamming-Opfer – was tun? Wohin Sie sich wenden können, hängt von den Umständen in Ihrem Fall ab:
- Sie können sich an die Polizei wenden und eine Anzeige erstatten. Dort kann man Sie beraten, welche Möglichkeiten Sie haben, gegen die Betrüger vorzugehen.
- Eine weitere mögliche Anlaufstelle sind Verbraucherschutzorganisationen wie die Verbraucherzentrale.
- Wenn Sie Ausweisdaten oder Kontoinformationen weitergegeben haben, sollten Sie zudem die zuständigen Stellen informieren, also etwa Ihre Bank.
Überwachen Sie gegebenenfalls Ihr Konto oder lassen Sie Ihre Kreditkarte sperren. In schwerwiegenden Fällen kann es empfehlenswert sein, das bisherige Konto aufzulösen und ein neues Konto zu eröffnen.
Es kann darüber hinaus sinnvoll sein, Ihre Erfahrungen mit anderen zu teilen. Sie können Menschen in Ihrem privaten Umfeld warnen, aber auch einen Erfahrungsbericht online stellen – zum Beispiel in Foren oder auf anderen Webseiten. Das kann helfen, andere vor Job-Scamming zu schützen.
Job-Scamming: Wie Sie sich schützen und wo Sie mehr erfahren können
Bei Job-Scamming handelt es sich um eine Betrugsmasche, bei der Betrüger über ein fingiertes Job-Angebot an sensible Daten kommen oder Geld eintreiben wollen. Job-Scamming ist auf den ersten Blick häufig schwer zu enttarnen. Umso wichtiger ist es, bei der Jobsuche vorsichtig und aufmerksam zu sein. Was zu gut klingt, um wahr zu sein, könnte ein Betrugsversuch sein.
Schützen Sie sich vor Job-Scamming, indem Sie potenzielle Arbeitgeber googeln und im Kontakt mit Unternehmen Detail-Fragen stellen. Geben Sie niemals private Informationen heraus und zahlen Sie nicht im Rahmen einer Bewerbung Geld für Materialien oder Hintergrundprüfungen. Wenn Sie Scamming-Opfer geworden sind, sichern Sie Beweise und wenden Sie sich an die Polizei oder eine Verbraucherschutzorganisation wie die Verbraucherzentrale. In schwerwiegenden Fällen kann es sinnvoll sein, Anzeige zu erstatten – notfalls auch gegen Unbekannt.
Weiterführende Informationen zum Thema finden Sie zum Beispiel im Internet, etwa auf Seiten der Verbraucherzentrale, der Polizei oder des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI). Aufschlussreich können auch Erfahrungsberichte anderer Betroffener sein, die Sie zum Beispiel in Foren oder sozialen Netzwerken finden können.
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